"extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl ist für (Fernseh-)Werbung wenig empfänglich.
"extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl ist für (Fernseh-)Werbung wenig empfänglich.

Dass Hubert Achleitners Roman "flüchtig" sogleich die österreichischen Bestsellerlisten stürmte, hat wohl doch in erster Linie mit jenem (Künstler-)Namen zu tun, unter dem der Hobbyautor deutlich bekannter ist: nämlich Hubert von Goisern. Nicht, dass der Roman schlecht wäre (wirklich gut ist er - vor allem sprachlich - freilich auch nicht), nein, aber es wäre ihm wohl kaum eine derartige Aufmerksamkeit sicher gewesen, die er als literarisches Debüt des erfolgreichen "neuen Volksmusikers" automatisch einheimsen konnte. Zahlreiche Interviews, Porträts und TV-Beiträge sorgten für jene Werbung, die ein bis dato unbekannter Jungautor mit diesem Roman ansonsten sicher nicht bekommen hätte.

Einer anderen Art von Werbung, nämlich dem klassischen TV-Spot, ist in "flüchtig" eine witzige Szene gewidmet. Darin malt sich ein Hanf(an)bauer genüsslich aus, wie er seine Pflänzchen bewerben könnte - nämlich mit dem bio-erprobten Promi-Duo Miriam Weichselbraun und Hannes Reichelt: "Ich stelle mir vor, wie sie nebeneinander, auf Wolke sieben sitzend und jeder mit einem Vaporisator ausgestattet, selig lächelnd dem Gipfel zuschweben. Die Frau haucht, begleitet von zwei Rauchringerln, das Wort ,Natur‘ in die klare Bergluft, worauf der Schiläufer die Augen schließt und ,Puu-uur‘ sagt . . ."

Schade, dass man das so nie wird sehen können. Schade aber auch, dass man gute, kreative und im besten Sinne abgefahrene Werbung generell kaum noch sieht. Vorbei die Zeiten, als man jedes Jahr auf die sogenannte "Cannes-Rolle" wartete, einen Zusammenschnitt international prämierter TV-Spots, die vor Originalität nur so sprühten. Vielleicht gibt es die "Rolle" ja noch, aber ich bilde mir ein, dass sie im deutschsprachigen Raum kaum auszeichnungswürdige, originelle Spots wird finden können. Da wir Zuschauer - so wir überhaupt noch linear fernsehen - uns angewöhnt haben, bei Werbung sofort wegzuzappen, hat die Werbeindustrie buchstäblich umgeschaltet: auf extrem kurze, schnelle, schrille Spots, damit vorm Weiterzappen wenigstens irgendwas, ein Fünkchen "Botschaft" hängen bleibt. Und auf Kinder, die ihre Eltern am Wegschalten hindern, weil sie sprechende Schweinchen und dergleichen (wieder)sehen wollen.

Wie weit dieser Trend gediehen ist, ist mir kürzlich aufgefallen, als ich in der Badewanne lag - und TV-Werbung nur akustisch wahrnahm, da der Fernseher weiterlief. Es war eine stakkatohafte Suada aus Infantilität, Angeberei und Dummsprech - und das in Dauerschleife (erhöht die Chance, jemanden doch noch zu erwischen).

Man muss kein Linker sein, um die Manipulationsabsicht jeglicher Warenwerbung zu konstatieren, denn das ist nun einmal der Kern ihrer Existenz. Medien verbitten sich diese Kritik wiederum, weil sie auf Werbung angewiesen sind, sie ist ihre Existenzgrundlage. Nun, inmitten der Pandemie und ihrer Folgen, bricht dieses Geschäftsmodell zunehmend auseinander. Es ist daher an der Zeit, sich andere Modelle zu überlegen - und Werbung wieder als das zu sehen, was sie in erster Linie ist: organisierte Aufmerksamkeitsbelästigung.