Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Darüber, ob "Fleiß die Wurzel aller Hässlichkeit" ist, wie von Oscar Wilde behauptet, oder ob der Prokrastination Einhalt geboten werden muss, wie der nicht nur im Wirtshaus emsige Dichterfürst Goethe einmal meinte ("Wenn ein Jahr nicht leer verlaufen soll, muß man beizeiten anfangen"), darüber könnte man jetzt diskutieren. Konjunktiv deshalb, weil wir eigentlich keine Zeit dafür haben. Auch gemäß einer Baumarktwerbung konstituiert sich das Leben in der Leistungsgesellschaft wie im Reich der fleißigen Bienen ja so, dass sich die Mangelware Nummer eins auf der Uhr oder am Sonnenstand ablesen lässt. Es gibt also immer was zu tun, das man als früher Vogel zu seinem Projekt machen könnte.

Unterschiede in der Eigen- und Fremdwahrnehmung bestehen natürlich: Die faulen Willis sind immer die anderen. Schließlich beherrscht nicht jeder die Kunst der Bescheidenheit in Sachen "Wo woar mei Leistung?" wie der am Montag verstorbene Großmaestro der Filmmusik. Ennio Morricone mag zeit seines Lebens zwar u.a. mehr als 500 Soundtracks geschrieben und sein Arbeitsethos auf und abseits der Bühne auch im 92. Lebensjahr noch unter Beweis gestellt haben, war aber trotzdem der Meinung: "Man erinnert sich daran, was Bach komponiert hat und wie viel Mozart in 33 Jahren geschrieben hat, und man sieht, ich bin unbeschäftigt dagegen."

Abseits von Branchen, in denen die Leute ihr Hobby zum Beruf machen, um Erfüllung zu finden (geschenkt, als Motivationsleckerli ist die Bewunderung durch Säle voller Fans sicher nicht zu verachten), gibt es in der Abteilung für schnöden Broterwerb aktuell hingegen wenig zu jubeln. Durchschnittlichen vom Spardruck betroffenen Arbeitnehmenden mit zuletzt zusätzlicher Homeschooling-Verpflichtung etwa dürfte sich die Frage einer ehemaligen österreichischen Ministerin ("Wer schafft die Arbeit?") eher als "Wen schafft die Arbeit nicht?" gestellt haben. Womöglich wird das nun auch von zwei skurrileren Meldungen aus der Rubrik "Vermischtes" belegt.

Zum einen konnte man einen spanischen Stadtrat dabei beobachten, wie er sich von einer Telefonkonferenz vorzeitig in Richtung Dusche absentierte, um (bestimmt) sauber und (hoffentlich) rechtzeitig beim nächsten Termin einzutreffen. Leider blieb währenddessen die Kamera an. Das Ergebnis war eine Art bewegtes Telco-Dick-Pic, allerdings ohne Absicht, jemanden damit zu belästigen (Mission trotzdem gescheitert).

Wirklich Sorgen machen musste man sich aber um jene beiden rechtschaffenen Vertreter der Einbrecherzunft, die beim Überfall auf eine Apotheke in Hannover schlicht eingeschlafen sind. Ob die kriminellen "Energien" hier bereits auf leere Batterien am Rande des Burnouts deuten, ist nicht bekannt. Vielleicht hat das Duo auch nur seinen John Steinbeck falsch gelesen: "Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens."