Einmal Radio, immer Radio. Auf diese Formel lässt sich das Dasein bringen, wenn man sogar am Operationstisch gefragt wird: "Waren Sie mal bei Ö3?" Dabei liegt es bei mir sicher nicht an der Stimme. Aber offenbar bleibt manchen ein Name im Gedächtnis, wenn man ewig zum Beispiel mit der "Musicbox" oder dem "Nachtexpress" identifiziert wird. Dabei endete meine Tätigkeit für das Radio anno 1993. Also schon ein paar Jährchen her.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Dieser Tage wurde aber die Chefredakteurin des Magazins "Auto Revue" vorstellig, weil man nun auch quasi Radio mache. Sprich: Podcasts produziere und mal "was mit Musik" machen wolle. Etwa eine Jukebox-Playlist für lange Autofahrten, die von Gästen zusammengestellt und moderiert werden könnte. Aber gern doch! Sowas macht ja gute Laune. Und freilich ist mir nicht verborgen geblieben, dass Podcasts enorm in Mode sind. Jedes Medienhaus, das auf sich hält, produziert sie mittlerweile en masse. Das hat mit ihrer bequemen Abrufbarkeit via Smartphone oder Tablet zu tun, mit ihrer oft sympathisch amateurhaften Leichtigkeit und Lebendigkeit, aber bisweilen auch erstaunlich professionellen Themensetzung, Machart und journalistischen Expertise. Die Trennlinie zum flüchtigen Medium Radio ist durchlässig - der ORF etwa bietet vom Ö1-"Mittagsjournal" bis zum "Frühstück bei mir" auch viele Radiosendungen in dieser Darreichungsform an. Und wohl schon bald wird es ihm politisch nicht mehr verwehrt bleiben, auch eigene exklusive Inhalte für die Podcast-Gemeinde zu schaffen. Generell dominiert dieses Genre das Wort - vom Interview bis zur Talk-Runde -, aber die Durchmischung mit Musik ist, so meine Prognose, im Kommen. Zumal die AKM auf ihrer Homepage auch leistbare Tarife für die Verwendung von Bob Dylan, Hector Berlioz oder Bilderbuch veröffentlicht hat. An den Urheberrechten sollte ein attraktives Angebot jedenfalls nicht scheitern. Mein erster Anlauf, ein launiges Programm via Spotify-Playlist zu präsentieren, wurde so rasch obsolet (Sie finden ihn aber noch online). Podcasts sind doch etwas anderes als Playlists.

Dass man mit überschaubarem Equipment auskommt, wenn man selbst zum Radio-Star 2.0 avancieren möchte, hab‘ ich mir bei Stephanos Berger, seines Zeichens Agentur-Betreiber und Podcast-Produzent ("Aus Gründen"), abgeschaut. In seinem Studio, das mehr einem bequemen Wohnzimmer gleicht, tun’s zwei Mikrofone, ein Laptop samt Audio-Interface und zwei Kopfhörer. Zur Aufnahme werden gerne Programme wie GarageBand oder Podcast Maker herangezogen, theoretisch und mit kleinen Einschränkungen auch praktisch kann man alles sogar am eigenen Handy erledigen.

Here we go! Das Ergebnis lässt sich nach dem Upload entspannt in der U-Bahn, im Auto oder der Badewanne nachhören. Apple und Google haben entsprechende Apps schon fix installiert, es funktioniert aber auch über einen Podcast Catcher oder Web-Feed per RSS automatisch. Kann man sich bei leiser Unsicherheit ob des Technik-Kauderwelsches gern von jungen Menschen zeigen lassen! Man vergesse das begrenzte UKW-Spektrum, die Zukunft liegt im Blick über den Streaming-Tellerrand. Oder wie man in Radiokreisen gern so sagt: stay tuned! Wir hören uns.