Die Deutschen sind schon ein komisches Volk. Da ist man monatelang eingesperrt, es gibt Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, alle sitzen im Homeoffice und in der Heimschule, hocken sich in den Häusern und Parks auf der Pelle. Und dann das: 35 Prozent der Deutschen sind überhaupt nicht in Urlaubsstimmung, 22 sehen der schönsten Zeit des Jahres mit gemischten Gefühlen entgegen, 14 Prozent wissen es nicht - und gerade mal ein Drittel freut sich auf den Urlaub.

Ohne Malle ist der Teutone alle, reimte neulich jemand, und vermutlich hat die Unlust auch damit zu tun, dass man mit heimischen Reisezielen anschließend bei Freunden und Kollegen nicht so gut renommieren kann: Scharbeutz klingt nun einmal deutlich weniger weltläufig als Santorin, dem Harz haftet deutlich mehr Biederkeit an als Hurghada, und nicht mal der Tegernsee kann es mit Teneriffa aufnehmen.

Die Postkarte aus Phuket, Marrakesch oder Seattle war ja schon immer mehr als nur ein Urlaubsgruß, nämlich der dezente Hinweis auf die eigene Weltläufigkeit. In keinem Land mussten nach Ausbruch der Corona-Pandemie so viele Mitbürger aus dem mehr oder weniger fernen Ausland zurückgeholt werden - eine Viertelmillion Deutsche tummelten sich (wohlgemerkt fern jeder Urlaubssaison) irgendwo weit weg auf diesem Planeten. Der Urlaub daheim, auf Balkonien oder im eigenen Land, wird zwar gern beschworen, aber ihm haftet doch stets das Etikett der Notlösung, des Verzichts an. Nur in der Ferne ist der Deutsche gerne, um gleich noch einen Reim zum Besten zu geben.

Ich hingegen gehöre zu den mageren vier (!) Prozent, die auf die Frage "Mit welchem Gefühl starten Sie in die Ferienzeit 2020?" beherzt antworten: "Kann es kaum erwarten". Schon der kleine Ausflug nach Oberösterreich vor ein paar Wochen, gleich nach Öffnung der Grenzen, hatte eine wahre Explosion an Glückshormonen zur Folge. Endlich wieder Ausland! Endlich wieder fremde Sitten (keine Masken), billiges Benzin, exotische Speisen (Backhendlsalat), qualitativ hochwertige Einkaufserlebnisse (Hofer statt des ollen Aldi)! Es war wie eine Befreiung aus langer Gefangenschaft, ein Taumel im hellen Licht nach schier ewiger Dunkelheit.

Und jetzt geht’s an all die Orte, die früher immer zu voll waren und an denen nun entspannende Leere herrscht: Salzburg, Hallstatt, Zell am See, Wörthersee, Ischgl ... Ach, herrliche Welt! Die Deutschen drängeln sich an Nord- und Ostsee, sitzen missmutig in ihren Wohnmobilen und Zelten, während ich die Wellnessoasen und Gourmettempel Österreichs fast für mich alleine habe. Ein Traum! Oder doch nur ein Traum? Ich bin gespannt.