Die spinnen, die Japaner. (Zumindest ZWEI von denen.) Das haben sich wahrscheinlich viele gedacht, als sie dieses Video gesehen haben, wo die zwei Geschäftsführer des Fuji-Q Highland Parks im Business-Outfit mit der Achterbahn fahren und dabei ein ausdrucksloses Corona-Gesicht machen, also eine Maske aufhaben (einer der beiden muss die zwar dauernd wieder richten - wie seine Frisur -, aber ansonsten alles cool, kein Muckser), um zu demonstrieren, dass es sehr WOHL möglich ist, dass man in ihrem Vergnügungspark keinen Spaß hat. Beziehungsweise nur in seinem Herzen Spaß hat. Und vor allem, dass man lediglich dort, nämlich im Herzen, schreit.

Ein Kreischverbot auf der Achterbahn? (Gratisschlaftabletten werden an die Fahrgäste trotzdem keine ausgegeben.) Klingt doch eigentlich ziemlich vernünftig, oder? Jedenfalls schlagen die Tröpfchen (und der Mund ist bekanntlich voll damit) bei 130 km/h ja wie Geschosse in die Immunsysteme der Mitfahrenden ein. Tröpfchen? Früher hat man das Spucke genannt. Okay, jeder muss während der Fahrt eh dieses Fetzerl tragen. Eine Krawatte? Blödsinn. Einen Mund-Nasen-Schutz, natürlich! Der kann freilich verrutschen. Bei uns im Prater sollten sie diese "Schrei in deinem Herzen"-Regel unbedingt auch einführen, wenn sich schon kein Besucher an die Maskenpflicht hält. Die meisten wissen noch nicht einmal, dass überhaupt eine Maskenpflicht GILT. Die haben eben nicht die Covid-19-Lockerungsverordnung gelesen. Paragraf 1, Absatz 2: "Im Massenbeförderungsmittel ist, bla, bla, bla, eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen." Und wenn eine A-Bahn kein Massenbeförderungsmittel ist, was ist DANN eins? Äh, die U-Bahn vielleicht?

Die Leute werden halt lernen müssen, sich zu beherrschen. Ich hab sowieso nie verstanden, warum man sich in einem Wagerl auf Schienen aufführen muss wie bei der Urschreitherapie. Kreischen denn auf der Autobahn alle, bloß weil sie 130 fahren? Gefühlsausbrüche sind nun einmal ein Infektionsrisiko. Ja gut, manches kann man eventuell nicht so leicht im Herzen tun. Lachen, zum Beispiel. Das ist ein Reflex. Aber man kann wenigstens die Lach-Etikette befolgen. Ach, schleunigst den nächsten Keller aufsuchen? Nein, in die Armbeuge lachen. (Wenn’s beim Niesen und Husten geht . . .) He, und im Fußballstadion, sobald wieder ein Publikum reindarf, bitte maximal EINEN Arm hochreißen und beim andern, richtig: in die Armbeuge jubeln.

Erst vor ein paar Wochen hat der Heinz zu mir gesagt: "Zum Glück bist du ned Gesundheitsministerin. Du tätst a Regenschirmpflicht für Kinder einführen." Davor hatte grad ein namhafter Experte (nicht, dass ich mich an seinen Namen erinnern würde) im Fernsehen erklärt, Kinder würden zu uns Erwachsenen ohnedies von vornherein den Ein-Meter-Mindestabstand einhalten, weil sie ja so klein wären, woraufhin ich zum Heinz gemeint hab, dass sie doch dann besonders gefährdet sein müssten, weil die Tröpfchen von den Großen alle auf sie drauffallen. Dumm wäre die Idee mit der Regenschirmpflicht folglich nicht. (Und in der Kirche wird ab sofort nur noch Playback gesungen, gell?)