Es soll jetzt eine "Dokumentationsstelle für den politischen Islam" eingerichtet werden. Sehr gut. Als hoffnungslos altmodischer Mensch ist Ihr Glossenhauer überzeugt von Demokratie und findet den Faschismus so sexy wie einen Kübel voller Salzsäure mit radioaktivem Abfall darin. Also gar nicht. Das gilt auch dann, wenn der Faschismus sich mit einem religiösen Mäntelchen bedeckt und "Allahu akbar" schreit. Und auch den Wolfsgruß in Favoriten mag er so wenig, wie die "Aryan Nation" in den USA. Wer meint, das könne man nicht vergleichen, dem sei das sehr dünne, wie auch aufschlussreiche Büchlein "Der ewige Faschismus" von Umberto Eco ans Herz und auf den Nachttisch gelegt.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Trotzdem ist hier mal wieder "gut gemeint" das Gegenteil von "gut gemacht". Denn im Regierungsprogramm - wie auch im Mittagsjournal vom 15. Juli - war noch die Rede von einer "Dokumentationsstelle für religiös motivierten Extremismus". Tatsächlich gibt es ja weit mehr extremistische religiöse Bewegungen als die Fanatiker, die das Kalifat wieder errichten wollen oder glauben Erdogan wäre ein weises, weitblickendes Staatsoberhaupt. Dabei ist der Mann ja ziemlich genau das Gegenteil von einem Haupt.

Überhaupt paaren sich Religion und Extremismus so gern wie Dummheit und Lautstärke.

Nehmen wir nur das bekannteste Beispiel hierzulande: den Katholizismus. Als persönlich Geschädigter (katholische Volksschule) wäre ich interessiert daran, dass endlich die Jahrhunderte alten Menschenrechtsverletzungen der Gegenreformation aufgearbeitet würden. Wenn das kein religiöser Extremismus war, dann waren die napoleonischen Kriege auch nur eine Risikogruppe (das Brettspiel ist gemeint). Auch die Aktivitäten, die manche evangelikale Freikirchen hierzulande entfaltet, sind eindeutig von religiösem Extremismus gezeichnet. Wer gesehen hat, wie hunderte Gehirn-gewaschene einem Kanzlerkandidaten in der Stadthalle zugejubelt haben, der weiß: Hier manifestiert sich ein tief sitzender anti-demokratischer Gedanke. Apropos: "Es gibt nur eine Wahrheit".

Wie oft hört man nicht auch in den Straßen Wiens "Rapid ist meine Religion!". Hallo? Dokumentationsstelle bitte übernehmen Sie! Grün-weiß vernebelte Gehirne, mit behopfenmalzten vergifteten Körper wanken regelmäßig gewaltbereit durch unsere Straßen. Und die spirituellen Fanatiker der Violetten sind um nichts besser.

Wenn wir schon bei wankenden Gestalten sind: Punsch-Stände am Weihnachtsmarkt verbinden gleich zwei Religionen (Christentum und Alkoholismus) zu einem extremistischen Verhalten (Blödsinn reden und anschließend speiben). Und auch das eine oder andere boulevardeske Printprodukt ("Was in meina Zeidung steht, is woa. Des is mei Bibel, Oida!") wird religiös rezipiert, was zu extremistischem Verhalten führen kann. Vor allem in der Wahlkabine.

Weiters wären zu dokumentieren der Glauben an die messianische Wiedergeburt ("Der Hazeh wird wieder kumman!"), Horoskope und die fixe Idee, ein Medikament zur Malaria-Prophylaxe helfe auch gegen Covid 19. Also, Dokumentationsstelle, es gibt viel zu tun, packen wir’s an! Dein Glossenhauer (Mitglied im Club der Agnostiker e.V.).