Wieder einmal Kind sein. Das ist es bisweilen, was Erwachsene antreibt, wenn sie sich spielerisch, ohne Zweck und Absicht, Dingen annähern. Kaum beginnt man dieses Prinzip zu begreifen und sich mit "spielerischem Lernen" näher auseinanderzusetzen, fallen Sätze wie dieser: "In jedem Menschen stecken kreatives Potenzial und Fantasie." Das nenn’ ich eine handfeste Ermutigung - abseits komplexer kognitiver Theorien.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

In der Praxis sieht das dann so aus: Man kommt sehr rasch drauf, dass ein Mini-Studio für Podcasts - wie ich es in der vorwöchigen Kolumne beschrieben habe - auch für musikalische Experimente genutzt werden kann. Und zwar, ohne tausende Euros investieren zu müssen. Ganz im Gegenteil: Mikrofon, Kopfhörer, Audio Interface, Laptop und Aufnahmesoftware sind ja schon vorhanden, jetzt bräuchte es eigentlich nur mehr ein elegantes Instrument für die Ton- und Klangerzeugung. Ich erinnerte mich meiner rudimentären Kenntnisse des Gitarrespiels. Nun: Für einen probaten Punk-Kracher würden die vier, fünf Akkorde allemal reichen. Für mehr aber auch schon nicht.

Also her mit einem Tasteninstrument. Ich entschied mich als blutiger Anfänger für ein Arturia MicroLab. Eigentlich handelt es sich "nur" um ein 25-Tasten-Plastik-Keyboard mit USB-Anschluss, das aber ein enormes Software-Paket inkludiert. Denn die eigentlichen Töne stecken im Computer. Und so lassen sich mit einem vermeintlichen Spielzeug dann ohne Umschweife Steinway- und Bösendorfer-Flügel, Kirchenorgeln, ganze Synthesizer-Batterien, Fender-Rhodes-Pianos und Hammond-Orgeln imitieren. Weil aber auch jede Menge komplexer Loops und Samples in der akustischen Wundertüte stecken, klingt es gleich auf Anhieb so überzeugend, als wäre es definitiv nicht weit bis zum Eurodance-NummerEins-Hit.

Sie merken schon, man stolpert mitten hinein in eine Wunderwelt der Akustik - Musik ist das noch nicht, auch wenn es ansatzweise danach klingt -, und schon ist man wieder ein Kind. Oder zumindest "young at heart". Es gilt ganz ungeniert das Lustprinzip, und der Forschungsdrang lässt einen quasi im Sekundentakt neue Entdeckungen machen. Was man auch rasch lernt: Eine sogenannte Digital Audio Workstation (DAW) ist heute so komplex, mächtig und ausgefuchst, dass man eine Beschäftigungstherapie für die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hat. Und dann immer noch kein Profi ist. Freilich kann man solche hinzuziehen, und mit einem freundlichen Lehrer wird’s rasch klappen mit dem musikalischen Fortschritt. Aber es geht auch gratis und im selbstbestimmten Tempo, hunderte Tutorials warten auf YouTube auf Abruf.

Und es schließt sich wieder der Kreis - zum Podcast-Ausgangspunkt. Der Kick, es mal höchstpersönlich mit der Musikproduktion zu versuchen, ergab sich aus der neuen Radio-Podcast-Serie "FM4 Musikmaschinen". Wie da etwa der Profi Patrick Pulsinger lässig über das Modell TR-808 des japanischen Musikelektronik-Konzerns Roland plaudert (und das Kastl gleich ordentlich loslegen lässt), das macht Freude. Und kickt so mächtig in den Arsch des staunenden Laien, dass man sich sofort an den Computer setzt. One Two Three Four!