Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.
Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Schlechte Neuigkeiten für Wildnis-Romantiker: Der legendäre Bus, in dem der 24-jährige Aussteiger Christopher McCandless seine letzten Tage verbracht hatte, bevor ihn der brutale Winter Alaskas in den Hungertod trieb, ist nicht mehr: Mittels Lastenhubschrauber der Nationalgarde wurde der legendäre Fairbanks Bus 142 diesen Sommer von seinem jahrzehntelangen Standort am Stampede-Trail fortgebracht. Es ist das Ende eines Denkmals, dessen Fundamente der US-amerikanische Autor Jon Krakauer mit seiner McCandless-Biographie "Into the Wild" gelegt hatte.

Spätestens, als das Buch 2007 verfilmt wurde, entwickelte sich der rostige Bus zum Magneten für Abenteurer, die sich auf die Spuren McCandless begaben. Weil einige von ihnen ihrem Idol bis in den Tod folgten - zuletzt ertrank eine Besucherin im gefährlichen Teklanika-Fluss -, beschlossen die Behörden, den Bus zu entfernen, um so den Lockruf der Wildnis zum Verstummen zu bringen.

Wer freilich den süßen Duft des Abenteuers geschnuppert hat, weiß um die Zwecklosigkeit solcher Maßnahmen. Zu tief eingebettet in die menschliche DNA liegt der Drang, hinaus ins Unbekannte zu treten. Sichtbar wird diese Programmierung insbesondere bei Kleinkindern, deren feine Ohren für den Ruf der Wildnis besonders empfänglich sind: Deshalb hüpfen sie auch so gerne im Gatsch herum und streicheln Ölkäfer am Wanderweg.

Weil die Natur in ihnen so stark ist, gibt es auch nur eine einzige wirklich kleinkindgerechte Form des Urlaubs: Camping. Es muss dabei nicht unbedingt die Wildnis Alaskas sein. Ein Trip in die Ramsau oder ins Maltatal tut es auch. Die Abenteuer ergeben sich ohnehin von selbst. Während die Eltern noch darüber streiten, wa-rum die Plane und ein Schlafsack vergessen wurden, ist der Kleine bereits in bester Urlaubslaune und sammelt Kieselsteine.

Die Aussicht auf Semmelholen zum Frühstück, Märchenwanderung und eine Fahrt mit dem Sessellift schürt die Vorfreude. Was im Alltag Probleme macht, hier geht es ohne Drängen. Denn alles ist Abenteuer: Abenteuerzähneputzen mit Ausspucken in die Wiese, Zweikampf mit alten Kartonrollen, dem Nudelwasser über der Gasflamme beim Überkochen zusehen. Wenn es dämmert, noch ein Blick auf Dach- und Torstein, dann schlüpft er (fast) ohne Diskussion in den Schlafsack.

Wenn wir dann alle eng und erschöpft aneinanderliegen, fühlt sich der eine Satz, den Christopher McCandless in seinen Notizen festhielt, besonders richtig an: "Happiness is only real when shared" (Glück ist nur echt, wenn man es mit anderen teilen kann.) Und dieser Gedanke ist so schön, dass er auch über das Ende des Fairbanks Bus 142 hinwegtröstet.