Es ist, um mit Wolf Haas zu sprechen, schon wieder etwas passiert. Keine Tragödie, aber doch ein mittelprächtiger Aufreger. Plötzlich ist man drin in einer Geschichte, die - wie es so schön heißt - das Leben selbst schreibt. Und diese Geschichte geht so: Es braucht nur ein paar Momente der Unachtsamkeit, die übelmeinende Mitmenschen auszunutzen verstehen. Ich hatte kürzlich, während ich einen HiFi-Verstärker vom Auto ins Haus trug, das Handy am Beifahrersitz liegengelassen. Zugegeben: keine gute Idee, zumal an einem heißen Sommertag. Und in einem Cabrio. Nach vielleicht zwei Minuten war ich wieder da, aber das Telefon - weg. Ich war nicht mal sonderlich überrascht, ärgerte mich nur kurz über meine Fahrlässigkeit. Und warf meinen Laptop an.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Da es sich beim Handy um das neueste Smartphone von Apple handelte - ein iPhone SE der zweiten Generation, das ich rasch liebgewonnen hatte -, sah ich eine gewisse Chance darin, das gute Stück zurückgewinnen zu können. Apple hat nämlich einen Ortungsdienst installiert ("Mein iPhone suchen"), der via Cloud funktioniert. Man kann damit umgehend auf einem skalierbaren Plan das Zielobjekt orten. Oder seinen weiteren Weg verfolgen.

Tatsächlich sah ich, quasi in Echtzeit, das iPhone samt seinem Dieb den Weg über den Matzleinsdorfer Platz Richtung Wiener Gürtel nehmen. Was tun? Sich ins Auto oder, stautauglicher, auf die Vespa schwingen und die Verfolgung aufnehmen? Eine Drohne losschicken? Die Polizei rufen? Ich entschied mich für Letzteres. Da sich ein Wachzimmer in der Nähe des Wohnorts befindet, stellte ich mich brav am Schalter an. Ein freundlicher Polizeibeamter borgte mir, da Polizeistützpunkte trotz diverser "Digitalisierungsoffensiven" der Regierung offenbar ohne WLAN auskommen müssen, sein privates Smartphone, um es als Hotspot zu verwenden. Gemeinsam betrachteten wir auf meinem Laptop den sich bewegenden Punkt auf der Landkarte.

Freilich hatte der junge Mann auch schon seine Erfahrungen mit der modernen Technik gemacht. "Die Genauigkeit der Ortung beträgt plus-minus 15 Meter", gab er zu bedenken. "Wenn der Dieb im Gemeindebau verschwindet, können wir nicht einfach alle Wohnungen durchsuchen." Das leuchtete mir ein. Ich schlug vor, das Geschehen zu beobachten, bis sich der Punkt nicht mehr bewegte. Man könne dann ja eventuell gemeinsam den Zielort inspizieren.

Tatsächlich verblieb das Signal jetzt dauerhaft in der Thaliastraße auf der Höhe eines Handystores. Und wechselte seine Farbe von Grün auf Grau. Jemand hatte das Smartphone abgeschaltet. Der Dieb mochte ein armer Trottel sein - sein Hehler dagegen wusste offenbar, was zu tun ist. Ich bin mir nicht sicher, ob nicht unter all den bedauernden Mienen in den Telefonshops in Ottakring, wo ich ein halbes Stündchen später persönlich nachfragte, die eines gerissenen Schauspielers war.

Wie’s weiterging? All der High-Tech-Spähwerkzeuge zum Trotz verschwindet auch ein iPhone recht rasch im Nirgendwo. Die NSA oder Apple-Oberkapo Tim Cook wollte ich dann doch nicht anrufen. Was bleibt, ist, das Handy zu sperren, seine Inhalte fernzulöschen, den Provider zu informieren und sich ein Ersatzgerät zu besorgen. Die Möglichkeit der Fernzündung einer Kartusche Juckreizpulver existiert noch nicht. Leider.