Elon Musk muss sich ärgern. Wieder einmal. Der Technik-Chefrevolutionär der Gegenwart, unter anderem CEO des Elektromobil-Herstellers Tesla (der kürzlich, betrachtet man den aktuellen Börsenkurs, zum wertvollsten Autokonzern der Welt aufgestiegen ist), kann den hartnäckigen Einsprüchen europäischer Gerichte rein gar nichts abgewinnen. Und giftet sich dann öffentlich, vorzugsweise auf Twitter.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Im Juli dieses Jahres hatte z.B. das Landgericht München entschieden, dass die Bezeichnung "Autopilot" für das fortgeschrittene Fahrassistenz-Programm der Tesla-Droschken irreführend sei. Man suggeriere, dass man damit Passagier im eigenen Fahrzeug sei - und selbst nur mehr im Ausnahmefall zum Lenkrad greifen müsse. Nun ist das zwar technisch bereits annähernd möglich, aber freilich mit nicht geringen Risken behaftet (wie mehrere tödliche Unfälle in den USA bewiesen haben). Und dann schiebt da noch der Gesetzgeber der Fortschrittlichkeit von Musk und seinem Ingenieursteam einen Riegel vor. Ende Gelände.

Dem inneren Dampf und Drive eines Elon Musk setzt man damit aber kein Stopp-Schild, im Gegenteil. Da rücken dann ganze Armadas von Rechtsanwälten aus - und freilich weiß der Tesla-Chef auch, dass sich mit dieser ungestümen Publicity einmal mehr Image und Börsenkurs vorwärts peitschen lassen. Insofern bleibt der Status quo des Hase-Igel-Wettkampfs zwischen Tesla und der deutschen Automobilindustrie unverändert. Was möglicherweise auch an der immer noch nicht ganz verflogenen Trägheit und Drögheit der Chefetagen von Volkswagen, Mercedes & Co. liegt. Erst allmählich kommen konkurrenzfähige Produkte auf den Markt. Leider geht es dabei oft mehr um Mode - und man vergisst die Ausgereiftheit und jahrzehntelange Erprobtheit eigener Ideen, Entwicklungen und Denkmodelle.

Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Seit Tesla quasi das gesamte Armaturenbrett (ja, das klingt altertümlich!, aber) abgeschafft hat und nur mehr auf einen zentralen Touchscreen setzt, scheint das das neue Credo des modernen Fahrzeugbaus zu sein. Bildschirme, wohin das Auge blickt. Teilweise über die gesamte Fahrzeugbreite. Natürlich eine Schnapsidee. Bei aller oberflächlichen Attraktivität der verschachtelten, knallbunten Button-Bonbonnieren: Der Mensch ist ein haptisches Wesen. Und ein Drehknopf für die Lautstärke der Bordbeschallung ist einer vagen Wischbewegung auf einem verschmierten Touchscreen allemal vorzuziehen. Das sagt der Hausverstand, das sagt der Interface-Experte, das sagt die Unfallstatistik. Nur die Controller der Automobilkonzerne sagen: Wir nehmen, was kostengünstiger ist.

Insofern darf sich nun bald nicht nur Musk über deutsche Gerichten ärgern, sondern gleich die ganze Automobil-Branche: Ein Tesla-Fahrer wurde unlängst von einem Gericht in Baden-Württemberg verurteilt, weil er es nicht geschafft hatte, unfallfrei das Regenwischer-Intervall in einem Untermenü seines Touchscreens einzustellen. Fahrverbot! Das wird wohl Folgewirkungen haben. Hoffentlich finden die Computerspezis noch unkompliziert den Rückwärtsgang.