Der ORF ist diese Woche seinem Bildungsauftrag hervorragend nachgekommen. Nicht, weil ich im Fernsehen war, aber auch. Sondern wegen der ZiB2 am Dienstag.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Denn der Beherrscher der Blaufränkischen, Hans Peter Doskozil, war dort bei Armin Wolf zu Gast.

Und nein, ich möchte nicht sagen: "Das war pures Kabarett!" und damit den ohnehin schon schwer angeschlagenen demokratischen Rechtsstaat einerseits und meinen Beruf andererseits desavouieren. Denn dieses Gespräch war anders. Es ging um die großen Fragen der Menschheit: Wer bin ich? Was weiß ich? Woher? Und am Rande auch um die Commerzialbank Mattersburg.

Auf die konkrete Frage etwa, ob er vom ehemaligen Bankdirektor Pucher über die bevorstehende Schließung der Bank informiert worden ist, sagte Dosko, der Diskursive: "Schauen Sie, es sind jetzt einige Themen in den Raum geworfen worden." Eigentlich nur eines, aber schließlich wurde der Informationsfluss vom Master of Burgenland doch noch nachgezeichnet: Die Bezirksobfrau von Eisenstadt, die eine persönliche Bekannte der Frau von Martin Pucher wäre, habe von dieser erfahren, dass deren Mann eine Selbstanzeige getätigt hätte und die Bank in eine Schieflage geraten sei. Deshalb wolle sie alle Verwandten und Bekannten informieren.

Rührend. Aber wie darf man sich das vorstellen? Da klingelt bei der Bezirksobfrau das Telefon: "Hallo?" - "Servus, ich bin’s, die Bucherin, die Frau vom Bankdirektor. I wollt nur sagen: unsere Bank geht grad kroch’n." - "Dank da! Des is liab von Dia." - "Gern g’schehen. Pfiat Di!"

Dieser rührenden Darstellung zum Trotz fragt Wolf nach, ob Don Dosko seine Telefonprotokolle veröffentlichen werden würde. Hier begann der Herrscher von Transleithanien zu husten. "Ich hab mi verschluckt", erklärte er. Dann bejahte er, vergaß aber nicht zu erwähnen, dass es schon früher Gerüchte gegeben hätte. Lang bevor seine doskozilianische Durchlaucht davon erfahren hätte. Merke: Im Burgenland weiß der Landeshauptmann als Letzter, was passiert.

Anschließend wurde es linguistisch und es entspann sich eine Diskussion über Hilfszeitwörter:

HPD: "Der Versuch ist falsch dargestellt worden."

Wolf: "Der Versuch ist völlig richtig dargestellt worden."

HPD: "Der Versuch ist falsch dargestellt worden. Es ist dargestellt worden, als wäre es passiert."

Wolf: "Die Bank hat es nicht gemacht, aber die Landesgesellschaft hat’s versucht."

HPD: "Ja, aber sie hat es nicht gemacht!"

Wolf: "Ja, sie hat es nicht bekommen."

Eine weitere über Erläuterungskompetenzen:

Wolf: "Ich erklär’s nur den Zuschauern (...)."

HPD: "Aber ich kenne mich aus und ich würd’ es erklären."

Wolf: "Ich hab’s gerade erklärt."

Und letztlich über unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität.

HPD: "Wurde im Beitrag gerade so dargestellt."

Wolf: "Wurde nicht so dargestellt."

Man hätte den beiden stundenlang zuhören können. Oi Dialogoi mit immensem Erkenntnisgewinn. Gegen Ende sprach der König von Deutschwestungarn: "Wichtig ist, dass man sich ständig hinterfragt. Dass man sich ständig fragt: "Liege ich richtig"?"

Dieses Selbstgespräch wurde aber leider nicht mehr übertragen.