Das Lied sorgt derzeit für Diskussionsstoff. Es läuft in den teuersten Werbeblöcken im ORF und klingt beinahe wie eine Originalaufnahme von Georg Danzer. Aber der geniale Austropopper ist 2007 verstorben, jetzt singt ein anonymer Stimmenimitator, der den Tonfall Danzers recht gut trifft. Das Lied, das hinauf und hinunter gespielt wird, ist ein Werbesong für den Diskonter Hofer, ein Unternehmen, das zur deutschen Aldi-Gruppe gehört und sich damit ein österreichisches Image geben will.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Wie man in der Gratiszeitung "Heute" lesen konnte, war Danzers Sohn Andreas entsetzt, als er den "Hofer-Song" zum ersten Mal im Radio hörte: "Das ist doch ,Hupf in Gatsch!" Dieses Lied war 1976 nicht weniger als 16 Wochen lang in der Hitparade. Die Aneinanderreihung von bekannten Invektiven im wienerischen Dialekt entbehrte nicht einer gewissen Komik: "So an Armutschkerl wia dia gib i kan Schülling, oba na i gib da zwa, du bist a Zwülling. Weu ana alla kann do ned so deppert sein, hupf in Gatsch, und grob di ein!" Jetzt erfahren wir im Werbe-Video, was Windeln, Schokolade und Energy Drinks gemeinsam haben: "Du und ich und jeder weiß - alle kaufen alles ein zum Hofer-Preis."

Bei Hofer bekräftigt man, dass die Produktion in Absprache mit dem Rechteinhaber, Danzers ehemaligem Manager Franz Christian Schwarz, erfolgt sei. Sohn Andreas meinte, dass er sich mit der Interpretation abgefunden habe. "Aber Fan davon bin ich keiner."

Auf YouTube hat der "Hofer-Preis-Song" inzwischen 2,5 Millionen Aufrufe. Rund 12.000 versahen den Song mit "Daumen hoch", 4.500 mit "Daumen hinunter". Seiler und Speer, zum Vergleich, erzielten mit "Ham kummst" rund 40 Millionen Aufrufe mit 147.000 zustimmenden und 11.000 ablehnenden Klicks. Dass immerhin einem Drittel der User das "Hofer-Lied" missfällt, ist bemerkenswert und war zu erwarten.

Ich will hier nicht eine Diskussion darüber lostreten, ob der Rechteverwalter im Sinne des Verstorbenen gehandelt hat. Worauf ich bei dieser Gelegenheit hinweisen will, ist wohl eine Petitesse, aber mich ärgert es: der lieblose Umgang mit Danzers Dialekttexten auf der quasi offiziellen Website "georgdanzer.at". In "Oide i hoid auf di" heißt es: "Gaunz egal wiasd ausschaust, du bist schdeh fia mi". Natürlich soll es heißen: "Du bist scheh fia mi." Das mag ein Schreibfehler sein, die nächsten Beispiele zeigen, dass Wiener Dialektausdrücke krass missverstanden werden. "I hab ka Freindin, i hab ka Frau / hab bei die Weiber dauernd den Hau" soll Danzer im "Legendären Wixerblues" singen. Das reimt sich zwar, ergibt aber keinen Sinn. Wer genau hinhört, der merkt, dass Danzer "Hahn" singt, mit einer deutlichen Nasalierung. Die Wendung "den Hahn haben" bedeutet "den Laufpass kriegen". Im Text zum Lied "Der Tschick" steht: "Zah ausse die Dreier und gib ma a Feia / I brauch a Spü ..." Der Sandler, in dessen Rolle Danzer schlüpft, will allerdings nicht "ein Spiel", sondern "einen Span". Das Wort für "ein Holzstück, das beim Hobeln entsteht" bedeutet für ihn so viel wie "Zigarette". Der Plural von Span ist im Dialekt "die Spä". Der Schnorrer sagt also: "I brauch a Spä!"