Im April dieses denkwürdigen Jahres saß ich in einem Garten und sprach in ein Smartphone. Vor mir ein Zettel mit den Titeln von mehr als einem Dutzend Songs der Rock- und Pop-Historie, die ich mir notiert hatte - das war’s dann auch schon. Kein Manuskript, kein ausgefeilter Plan, einfach nur den Spaß an der Freud’. So können Podcasts entstehen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Natürlich ist das unprofessionell. Weil ich aber von der Chefredakteurin der geschätzten "Auto Revue" aufgefordert worden war, Musik für eine imaginäre Spritztour zusammenzutragen und mit ein wenig Wortbeiwerk zu versehen - quasi ein Probelauf für ein zukünftiges Audio-Format -, wollte ich rasch und unkompliziert ein Demo basteln. Das Auto ist ja ein rollender Konzertpalast - und eine Überlandfahrt eine der besten Gelegenheiten für konzentriertes, fast schon meditativ-versunkenes Zuhören. Das macht auch den Reiz von Radio, Hörbüchern, Playlists und Podcasts aus: Man erledigt den aktiven Part nebenbei - und hat noch ein genügendes Maß an Aufmerksamkeit für die Welt ringsum.

Das Resultat meiner Do-It-Yourself-Bemühungen klang dann eh halbwegs brauchbar, rein technisch betrachtet (formal ist’s, weil einfach Wort und Musik, banal. Aber, hey!, Rock’n’Roll!). Wenn man aber einmal mit dem Podcast-Virus infiziert ist, gibt es kein Zurück mehr. Ich begann, über Mikrofone, Kopfhörer und Mischpulte nachzusinnen. Schließlich hatte ich meine eigene Stimme, lang ist’s her, schon über professionelles Equipment zu hören bekommen. Ich erinnerte mich etwa an die Mikrofon-Modelle D-222, C-12 und C-414 der Firma AKG. Weltberühmte Qualität"made in Austria". Leider ist der Traditionsbetrieb nicht mehr aktiv, auch wenn die Marke noch existiert. Ich sah mich dennoch im näheren Umkreis um.

Und freilich gibt es neue Start-ups und Marken hierzulande, die einer näheren Betrachtung wert sind. Und in der Praxis erprobt werden wollen. Austrian Audio etwa, gegründet 2017 von ehemaligen AKG-Mitarbeitern.Die Firma mit Sitz in Wien-Liesing hat sich wie ihr Urahn auf Mikrofone und Kopfhörer spezialisiert. Ich teste gerade das Kondensator-Großmembran-Mikrofon OC818. Das gute Stück kostet knapp tausend Euro - aber man hört das auch. Wenn man einmal ein hoch spezialisiertes, per Hand gefertigtes, bis ins letzte Detail durchdachtes Teil sein Eigen nennen möchte: klare Empfehlung!

Dass es auch kostengünstiger geht - und Podcaster sind in der Regel keine Popstars -, beweist nicht nur Austrian Audio selbst (etwa mit dem abgespeckten Modell OC18), sondern auch der Konkurrent Lewitt Audio, daheim in Wien-Neubau. Dessen Mikrofon LCT 240 Pro kommt mir immer wieder in Facebook-Werbespots unter - die Algorithmen. Nun ist dieses Mikro zwar "designed in Austria", aber made in China. Aber ich will da mal nicht so sein, auch wenn das nicht der Idealfall einer ökologischen Zukunftsperspektive ist.

Ökonomisch ist es dagegen ein kleines Wunder: Um knapp 150 Euro bekommt man ein Kondensator-Mikrofon mit Nierencharakteristik, goldbeschichteter Kapsel, Spinne und Windschutz, das dem Heimstudio gehörig auf die Sprünge hilft. Wie heißt es in den einschlägigen Magazinen so schön: unbedingt antesten!