Weil meine Mutter ihren Sechziger partout im südlichen Burgenland verbringen wollte und weil wir als Familie nie viel miteinander geredet, aber immer schon gerne aufeinander angestoßen haben, aus diesen Gründen wurde ich als junger Mann beim Pinkeln im Wald hinterm Heurigen von einem urplötzlich aus dem Gebüsch auftauchenden österreichischen Grenzsoldaten höflich darauf hingewiesen, dass ich mich mit offener Hose im Ausland, nämlich auf ungarischem Staatsgebiet befinden täte. Damals ließ sich sowas locker bewältigen. Tschuldigung! Lautlos verschwand der Soldat in der Dunkelheit. Behände taumelte ich heim ins Weinglas.

In Corona-Zeiten könnte so ein Vorfall leicht mit strengeren Konsequenzen verbunden sein. Trübe Gedanken, die einem kommen, fährt man zum Urlaub an die südsteirische Weinstraße. Mein bevorzugter Gastgarten liegt gleich neben der Grenze. Da kann schnell in der Quarantäne landen, wer sich kurz im Wald erleichtern will und dabei zwei, drei Schritte falsch zur Seite macht. Keine Ahnung, was die derzeit für eine Abmachung mit Slowenien haben. Besser also man pinkelt nicht in den Wald.
Auf Ibiza hat der Tourist solche Probleme nicht. Da sind am Hippiemarkt die Hemden um ein Drittel billiger als sonst und in den Restaurants hauen sie dir die Fischplatten um die Hälfte nach. Das weiß ich aus der Gesellschaftsrubrik. Auf Ibiza verbringt die österreichische Halbprominenz ihre freien Tage. Manche davon waren vorher in Lignano. Dort geht es ähnlich zu. Die Hemden um ein Drittel und der Fisch um die Hälfte.
Mein Backhenderl in der Südsteiermark kostet soviel wie vorher auch. Halbprominenz ist keine da. Dafür habe ich vor dem Zimmer eine Badewanne im Freien, ganz für mich allein. Darin liege ich und lese und trinke Wein, während von ganz weit weg unten im Gastgarten her das Gemurmel der anderen Gäste kommt. Wer braucht einen Babyelefanten, wenn er eine Badewanne hat. Balkonien für Fortgeschrittene. So günstig können die Hemden auf Ibiza gar nicht sein.