Dass einem der bisherige "Mia san mia"-Verein FC Bayern München eines Tages noch sympathisch werden könnte, war nicht zu erwarten gewesen. Schon gar nicht, wenn er so erfolgreich ist, wie er es nun einmal ist. Das liegt auch weniger am Spiel und Erfolg des Klubs, als mehr an seinem nunmehrigen Trainer.

Dass ausgerechnet ein vermeintlicher "Notnagel" wie Hansi Flick (noch dazu mit solch einem Namen!) in lediglich 35 Spielen nicht nur das sogenannte Triple schafft (also den Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League), sondern das gesamte Auftreten der Mannschaft grundlegend verändert, gleicht tatsächlich einem Wunder.

"Der Anfangsverdacht, im November 2019 habe ein guter Mensch diesen FC Bayern übernommen, hat sich auf erschütternde Weise bestätigt", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" nach dem CL-Finalsieg gegen Paris Saint Germain mit ungläubigem Staunen. Denn darin besteht ja das eigentliche Wunder - für manche fast eine Art von Skandal -, dass ein durch und durch netter und bescheidener Mensch das anscheinend genau dank dieser Eigenschaften zuwegebringt. Das ist in dieser Branche der Angeber und Protzer mehr als unüblich. Nochmals die "SZ": " . . . dieses an selbstverliebten Gestalten nicht sehr arme Gewerbe (muss) nun erst mal damit klarkommen, dass so ein entspannter Typ die ganzen Pokale abschleppt."

In der Kulturbranche ist die Sache nicht unähnlich. Da könnte einem als gelungenes Gegenbeispiel zu all den Lautstarken und Selbstüberzeugten (die sich etwa in der Corona-Krise gerne oft zu Wort gemeldet haben) die Direktorin des Theaters am Spittelberg, Nuschin Vossoughi, einfallen, eine der nettesten und ausgeglichensten Kulturmanagerinnen des Landes. Von ihr war wenig Gejammer und schon gar keine Schuldzuweisung zu hören, dafür hat sie in Windeseile ein - wie immer in dem Haus - spannendes Programm aus Weltmusik, Wienerlied und Kabarett unter den gegebenen Umständen zusammengestellt.

In einer "Gedanken"-Sendung auf Ö1 hat sie, die als gebürtige Perserin ein Wienerlied-Festival erfunden hat ("Wien im Rosenstolz"), kürzlich ihr weltoffenes und sympathisches Credo erläutert: Nämlich seinen eigenen Job immer wieder aufs Neue selbst zu erfinden - und auch die Kollegen zu loben. Daran könnten sich die Herren Schröder und Roscic gleich einmal ein Beispiel nehmen.

Die dritte Heldin des Sommers ist für mich die Grazer Prokuristin und Mitbesitzerin des Hotels Bretanide auf der kroatischen Insel Brac, Eva Schlögl. Als dort Mitte August die Reisewarnung der österreichischen Bundesregierung bekannt wurde und daraufhin viele Besucher zum Aufbruch drängten, verzichtete die Touristikfachfrau für einen Hotelgast auf ihren reservierten Flugplatz und fuhr stattdessen den nicht unbeträchtlichen, viele Fahrstunden in Anspruch nehmenden Weg von Süddalmatien in die Steiermark mit dem Auto. Das ist die Champions League des Anstands.