Das Wort ist vielschichtig, und es wird uns noch lange beschäftigen: Pop-up. Seit Corona-Zeiten sorgen Pop-up-Radwege für Aufregung. Plötzlich und temporär wird ein neuer Radweg angelegt, meist neben einem bereits existierenden Radweg, und zwar auf der rechten Fahrspur für Autos. Das ist eine Art Verteilungskampf um den öffentlichen Raum zwischen Autofahrern und Radfahrern, denn das Argument, dass die Radfahrer nicht so eng nebeneinander radeln dürfen, weil sie sich sonst anstecken, ist wohl lächerlich. Bei den Pop-up-Begegnungszonen wurde in Corona-Zeiten den Fußgängern zusätzlicher Raum gegeben. Die Bereitschaft, dies anzunehmen, war über-schaubar.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Pop-up ist ein Ausdruck aus den USA. Er ist erstmals 1906 belegt und stammt aus der Fachsprache der Baseballer - eine Wortbildung zum Zeitwort "to pop up" mit der Bedeutung plötzlich auftauchen. In einer Lehnübersetzung ist im Deutschen "aufpoppen" gängig. Seit 1934 gibt es in den USA

auch Zusammensetzungen wie "pop-up-book" und "pop-up toaster". Ein Pop-up-Buch ist ein Bilderbuch, dessen Seiten so gestaltet sind, dass beim Aufschlagen einer Seite eine Figur hervorspringt. Pop-up-Toaster werden im Deutschen von den Firmen als Doppelschlitztoaster und als Langschlitztoaster bezeichnet - zur Unterscheidung von einem Sandwichtoaster, mit dem ein klassischer Schinken-Käse-Toast gemacht wird.

Als "pop-up-shop", "pop-up-store" oder "pop-up-retail" wird ein Geschäft bezeichnet, das nur wenige Tage oder Wochen geöffnet hat, oft in Begleitung zu einem Großereignis. Die erste Geschäftsidee dieser Art soll laut der englischen Version von Wikipedia 1997 in Los Angeles realisiert worden sein, wobei auf derselben Seite des Internet-Lexikons darauf hingewiesen wird, dass der Wiener Christkindlmarkt als eine frühe Realisierung des Pop-up-Gedankens gesehen werden kann. Gleiches gilt wohl für die Jahrmärkte auf dem Lande.

In der Sprache der EDV ist der Ausdruck inzwischen allgegenwärtig. Unter "Pop-up" verstehen wir ein kleineres Browserfenster, das sich automatisch öffnet, wenn man eine Seite aufmacht oder einen Link anklickt. Häufig enthält dieses Fenster eine Werbung. Wer dieser entgehen will, verwendet einen Pop-up-Blocker.

Auch der Pool im Bereich des Wiener Gürtels war eine Pop-up-Geschichte. Pop-ups sind eine politische Strategie der Grünen, nicht nur in Österreich, seit diese Parteien Regierungsverantwortung in Großstädten haben und derartige Projekte initiieren können. Es geht darum, verkehrspolitische Änderungen in Krisenzeiten oder im Sommer bei geringem Verkehrsaufkommen für kurze Zeit auszuprobieren. Auf diese Weise sollen sich die Bürger an eine spätere dauerhafte Lösung gewöhnen. So ging es bei dem Pool nicht darum, dass jeweils sechs Kinder dort baden können, sondern dass eine für den Autoverkehr wichtige Querung des Gürtels gekappt wird.

Die SPÖ steht all dem reserviert gegenüber. Der frühere Bürgermeister Michael Häupl äußerte sich gegenüber ORF-Wien so: Eine wesentlich größere Bedeutung als "irgendwelche Pop-up-Geschichten" haben "jene sozialen Fragen, die jetzt auf uns zusteuern".