Schon als Kind hat mich niemand auf seiner Geburtstagsfeier haben wollen. Und Jahre nach meiner Schulzeit hab ich sogar erst erfahren, dass die andern aus meiner Klasse heimlich eine Maturareise gemacht hatten. Anscheinend hab ich also alles richtig gemacht. Mich wird jedenfalls KEINER zu einer illegalen Poolparty einladen (und nachher muss ich zehn Tage in Quarantäne).

Was man von Tom Hanks, Antonio Banderas oder Novak Djoković ja nicht grad behaupten kann (dass die alles richtig gemacht hätten). Okay, mag sein, dass der eine zwei Oscars und vier Golden Globes eingeheimst hat, und der andere hat immerhin noch einen Stern auf dem Walk of Fame ergattert, und der Dritte ist gleich überhaupt die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste. Doch was hat’s ihnen gebracht? Corona! Weil jeder mit ihnen kuscheln wollte. (Und ich könnte noch mehr "positive" Promis aufzählen: Prinz Charles, Plácido Domingo . . .) Mit mir hingegen will niemand auch nur ein Selfie machen, geschweige denn, dass plötzlich irgendwelche wildfremden Menschen aus dem Busch springen würden, um mir ein Autogramm abzunötigen. Und die Gefahr, dass mir jemand auf offener Straße sein Baby reicht, damit ich es abbussle oder segne, dürfte ebenfalls verschwindend gering sein. Ich bin eben so weit unten auf der Weltrangliste der Berühmten und Beliebten, dass ich gar nimmer draufstehe. Mit Paparazzi hätte ich natürlich KEIN Problem. Benutzen die nicht Teleobjektive? ("Tele" wie: Mindestabstand.)

Gesellige Zusammentreffen, wo dauernd irgendwer herumschreit und einen mit seinen Aerosolen einnebelt, meide ich sowieso wie die Pest. "In die Oper würden mi a kane zehn Babyelefanten reinbringen." Das war übrigens grad mein innerer Heinz. Den äußeren Heinz hab ich nicht aufwecken wollen, der hätte allerdings ohnedies genau dasselbe gesagt. Und selbstverständlich hab ich nicht die Oper gemeint, sondern Demos. Zum Glück hab ich aber eh kein Anliegen, für das ich auf die Straße gehen müsste. Mitläufer bleiben brav zu Hause auf der Couch. Die können sogar im SITZEN mitjoggen. Mit hochgelegten Füßen. Solange die Corona-Pandemie noch andauert, muss ich höchstens aufpassen, dass ich nicht versehentlich im Lotto gewinne. Nicht, dass ich Lotto spielen würde. Ich bin ja nicht blöd. Wenn ich auf einmal reich wäre, wäre ich doch im nächsten Moment von lauter Leuten umringt, die bloß mein Geld wollen und mich dabei womöglich infizieren. Ich hätte nämlich eine Putzfrau, einen Chauffeur ("Kauf da halt a Stretch-Limo, bei der is das Social-Distancing serienmäßig eingebaut.") - und wie heißt jetzt g’schwind der, der den Körper wieder in Schuss bringt? "Physiotherapeut?" Personal Trainer!

"Du, wennst das Geld ned willst, gib’s einfach mir." - "Und dann steckst DU mich an, weilst da unbedingt a Putzfrau, an Chauffeur und an Personal Trainer anschaffen musst?" - "Bei mein‘ Ferrari loss i sicher niemand andern ans Steuer." - "Du bezeichnest dein‘ Körper als Ferrari?" - "Na, oba des Auto, des i hätt‘." - "Dürft i mitfahren?" - "Wennst a Maske aufsetzt." Tatsache ist: Würden alle so leben wie ich, hätte das Virus nie eine Chance gehabt.