Bei der etwas überlasteten Urlaubsvertretung meines Tierarztes meldete ich mich bei der telefonischen Terminvereinbarung für den Zweitbesuch zuerst mit meinem Namen und dann sagte ich noch zur Verdeutlichung: "Ich bin die mit dem Kater mit dem großen Loch."

Einige Tage zuvor war mir eine riesige Beule auf Maxis Rücken aufgefallen, die ihm offenkundig große Schmerzen bereitete. Seine Pupillen waren so geweitet und schwarz, dass auch ich als nicht-kätzisches Wesen begriff, welch große Schmerzen er auszuhalten hatte. Gleich darauf brach der Abszess auf, und ein übelriechendes Sekret verbreitete sich in seinem Fell. Das schien, wenn ich es richtig interpretierte, seine Schmerzen bereits etwas zu lindern.

Diese Vermutung bestätigte auch die Tierärztin, die beim Ausputzen der Wunde über streitende Katzen philosophierte. Je länger sie putzte, desto mehr kam sie jedoch zu dem Schluss, das "Loch" sei für Katzenraufereien viel zu groß. Ich schlug den Fuchs als Urheber vor. Nein, meinte sie, auch der Fuchs mache nicht so tiefe Löcher in seine Gegner.

Da brachte ich als nächste Möglichkeit den Dachs ins Gespräch, der irgendwo westlich vom Haus im Wald seinen Bau hat und gelegentlich unserem Komposthaufen einen Besuch abstattet. Da könnte er gut mit Maxi zusammengetroffen sein, der nächtens vor dem Haus Wache schiebt. Doch Meister Grimbart lehnte die Tierärztin als Übeltäter ab. Die Bisskraft eines Dachses gleiche der eines Rottweilers!

Beim Kontrollbesuch und der nächsten Antibiotika-Gabe zwei Tage später führte sie weiter aus, der Dachs scheide allein schon deswegen aus, weil der Gegenbiss in Maxis Hinterteil fehle. Der Dachs kann ohne Ankerpunkt für den Unterkiefer nicht die obere Reihe Zähne beziehungsweise seinen dolchartigen Eckzahn in Maxi schlagen. Und sie putzte wieder so viel eitriges Gewebe aus der Wunde, dass ich die Täterfrage für eine Weile aus den Augen verlor.

Beim dritten Besuch zog die Pinzette wieder fauliges Fettgewebe aus der Wunde. Da fragte die Urlaubsvertretung sozusagen in einer kriminalistischen Volte, ob da, wo ich wohne, vielleicht jemand mit einem Flobert herumschieße? Das Loch erinnere sie eher an eine Schuss- als an eine Bisswunde. Nein, das heißt, ja, redete ich herum: Der Jäger schießt bei uns. Aber Jäger, einigten wir uns schnell, schießen nicht mit einem Flobert-Gewehr. Wir schlossen den Menschen insgesamt als möglichen Urheber gleich wieder aus.

Einen Tag später fing Maxi eine Maus. Offenkundig war er wieder der Alte. Als ich der tierärztlichen Urlaubsvertretung die neueste Entwicklung am Telefon schilderte, war auch sie zufrieden. Wer der Täter war, bleibt aber im Dunkeln.