Wenn der "Energieschutzring" des Krankenhauses Wien-Nord vulgo Klinik Floridsdorf funktioniert, ist es egal, was er gekostet hat. So simpel reagiert der Mensch, wenn er zum Patienten wird. Und, ja, manches lässt sich wirklich erst am lebendigen Leib erfahren. Die viel geschmähte Esoterik-Installation - wie immer sie en detail aussehen und sich anfühlen mag (existiert sie überhaupt?) - in einem der größten, schönsten und dem wahrscheinlich modernsten Krankenhaus des Landes ist jedenfalls nicht das Thema dieser Kolumne.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Mir liegt an Handfesterem. Ich möchte jedenfalls das Personal dieses Hauses loben, aus Gründen: Ihr Heilapparat ist erstaunlich elegant, effizient und funktioniert fulminant. Es kommt einem die Assoziation mit einem Wellness-Hotel in den Sinn, aber das wäre doch verstiegen. Der Teufel liegt im Detail. Und manches winzige Rädchen im Getriebe der Gesundwerdung ist nicht ganz so durchdacht, geprüft und feingeschliffen worden wie, Gott sei Dank!, der Rest. Die Gesamtlage in Augenschein zu nehmen, war zwar nicht gerade meine Hauptmotivation bei einem zweiwöchigen Klinikaufenthalt, aber man entkommt der Inspektion nicht. Und sie fällt gnadenlos aus. Jeder Schmerz ein Schmerz am eigenen Leib. Und Krankenhaus-Nächte sind lang.

Wie kann man etwa die Fernbedienung zur Verstellung eines Patientenbettes - das sind ja inzwischen recht komplexe (und teure) Apparate mit jeder Menge Stellmotoren - so konstruieren, dass sie keinen erkennbaren Druckpunkt hat? Und zuvor noch der Aktivierung durch einen eigenen Hauptschalter bedarf? Man fummelt jedenfalls als Patient des nächtens unnötig lang und zunehmend verwirrt an solch einem Ding herum, bevor man dann doch entnervt nach dem Pflegepersonal klingelt. Das quält jahre- und jahrzehntelang alle, nur weil sich das Designteam solch einer schlichten Fernbedienung bei seinem Entwurf eine Spur zu wenig Gedanken gemacht hat. Oder irgendein Controller sich für die Billigversion entschied.

Der Gedanke kam mir auch beim Anblick all der anderen Controller und Fernbedienungen, die sich an einem High-Tech-Krankenhausbett um den Patienten versammeln: vom Schrack-Seconet-Plastikriegel, der trotz TV- und Telefon-Tastatur nur für Notruf und Licht zuständig ist (zumindest in dieser Klinik), bis hin zum blauen Barco-Plastikprügel, den ich überhaupt nicht durchschaute - denn das Bezahlkarten-Fernsehen hatte noch einen eigenen kabellosen Controller und funktionierte ja auch (und klarer verständlich) am Touchscreen des Monitors, der über dem Krankenbett hängt. Tipp: Als fortgeschrittener User sollte man sowieso seinen eigenen leistungsfähigen Internet-Hotspot mitbringen - und sich freimachen von der Infrastruktur vor Ort. Man beginnt den Wildwuchs der Technik inbrünstig zu hassen (zumal die Kabel, Murphys Law! immer irgendwie ungünstig verlaufen), und das Personal erklärt sich für weitgehend unzuständig. Zu Recht! Über das TV-Programm, das mit oder ohne Fernbedienung Ablenkung vom Schmerz des Daseins bieten soll, sprechen wir ein andermal.