Die Corona-Krise bringt uns neue Wörter, eines davon ist "Blase", die englische Entsprechung lautet "bubble". Das Wort Blase, es stammt von blasen ab, das mit blähen verwandt ist, hat bereits zahlreiche Bedeutungen. Im wörtlichen Sinn ist dies ein mit Luft gefüllter oder durch ein Gas gebildeter kugeliger Hohlraum in einem festen oder flüssigen Stoff, außerdem auch ein mit Flüssigkeit gefüllte Raum unter der Oberhaut bei Verbrennungen. Auch an Händen und Füßen kann man Blasen haben. In der Medizin gibt es eine Harnblase, eine Gallenblase, eine Fruchtblase. Nicht zuletzt versteht man darunter eine als lästig empfundene Gruppe von Personen. Laut duden.de stammt diese Bedeutung aus dem Verbindungswesen: Gemeint war ursprünglich eine nicht Farben tragende Verbindung. Auch eine Marktsituation, in der Waren oder Vermögenswerte aufgrund spekulationsbedingter großer Nachfrage zu stark überhöhten Preisen gehandelt werden, ist eine Blase. Daneben gibt es eine sogenannte Meinungsblase, diese wird als "besonders umgangssprachlich" eingestuft. "Er bewegt sich nur in einer rechtsradikalen Blase und kennt keine andere Meinung."

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Zuletzt haben wir oft gehört und gelesen, wie sich die Tennisspieler beim Grand-Slam-Turnier in New York einem strikten Regime unterwerfen mussten: regelmäßige Testungen, reduzierte Betreuerstäbe, kein Kontakt mit der Außenwelt. Der Ausdruck "Grand-Slam", also großer Schlag, stammt aus der Kartenspielersprache, und zwar aus dem Kartenspiel Whist, aus dem sich Bridge entwickelt hat. Gemeint ist grob gesprochen die Ansage, alle Stiche zu machen. Im Deutschen wird dies Großschlemm genannt. Im Tennis und im Golf bezeichnet man als Grand Slam die vier wichtigsten Turniere eines Kalenderjahres. Wer sie gewinnt, ist Grand-Slam-Sieger.

Zurück zur Blase. In einigen europäischen Ländern wurde während der ersten Corona-Welle darüber diskutiert, ob es eine Art Blase geben soll, wenn die Menschen angehalten sind, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Dies würde bedeuten, dass sich beispielsweise zwei Familien zusammenschließen und sagen: Wir halten die Regeln konsequent ein, deshalb bleiben wir weiterhin in persönlichem Kontakt. Alleinstehende Großväter oder Großmütter könnten sich auf diese Weise ihrer eigenen Familie - oder einer anderen - anschließen. Dass es sich dabei um ein soziales Minenfeld handelt, ist klar. Kann ich mich darauf verlassen, dass die anderen alle Regeln einhalten? Was ist mit jenen, die übrig bleiben, weil sie niemand haben will?

Blasen dieser Art gibt es nach meinem Gefühl schon längst, auf informeller Basis. Ältere Menschen schränken ihre Kontakte ein, wobei sie einerseits auf die Pflege von Freundschaften achten, aber andererseits ihre Kontaktpersonen bewusst auswählen: Halten sich die anderen so wie ich an die Vorsichtsmaßnahmen? Wenn ich selber vorsichtig bin, will ich mich nicht mit unvorsichtigen Menschen treffen. Gleichzeitig gehe ich nicht ins Kino und meide größere Gesellschaften. Wussten Sie, dass sich im Bridge-Club-Wien zahlreiche Spieler angesteckt haben und acht Corona-Tote zu beklagen waren?