Tja, so g’schwind kann’s gehen. Einfach so über Nacht. Man legt sich ins Bett und am nächsten Morgen wacht man plötzlich in einem Hochrisikogebiet auf. Oh, Tschuldigung, orange war die Corona-Ampel ja schon beim Einschlafen: in einem Gebiet mit SEHR hohem Risiko. 50.000 Neuinfektionen (oder zumindest Verdachtsfälle) pro 100.000 Einwohner! Na bumm. Und das an einem einzigen Tag. Hätten die Deutschen nicht längst eine Reisewarnung für ganz Wien ausgesprochen, sie müssten jetzt eine 14-tägige Quarantäne über jeden verhängen, der bei mir in der Wohnung war und nachher zu ihnen will. Meine WOHNUNG ist nämlich das Gebiet mit dem sehr hohen Risiko. Nein, dort halten sich natürlich KEINE 100.000 Personen auf (jedenfalls nicht gleichzeitig), bloß zwei, aber eine von den beiden schnäuzt sich seit Dienstag ziemlich verdächtig, weshalb ich sie vorsorglich als Verdachtsfall eingestuft und gleich einmal ausgerechnet habe, wie viele Fälle das pro 100.000 sind, weil wenn der Wert über 50 liegt, sollten dringend die Corona-Maßnahmen verschärft werden. Bevölkerungsgröße der betrachteten Region (also der Wohnung): 2. Fälle absolut: 1. Macht 50.000 Fälle je 100.000! (Alter Schwede.) "I hob doch nur an Schnupfen", hat sie gesagt, meine Schwester. Nur einen Schnupfen? Nur? Ein Schnupfen IST nimmer "nur". Okay, vielleicht ist er nicht das Leitsymptom einer Covid-19-Erkrankung. Andererseits gibt es auch asymptomatische Fälle und bei denen ist anscheinend GESUNDHEIT das Symptom. Drum hab ich nach Einschätzung der epidemiologischen Lage die Corona-Ampel für die Wohnung auf Rot gestellt. Besonders wegen der hohen Anzahl an neu identifizierten Fällen ungeklärter Quelle. Schließlich lässt sich bei 100 Prozent der Fälle nicht zurückverfolgen, wo sich die angesteckt haben. Die Michi war lediglich einkaufen, ist mit der U-Bahn gefahren und hat dabei eh einen Mund-Nasen-Schutz getragen und sich ständig die Hände desinfiziert. Wir desinfizieren außerdem unsere Schuhsohlen, bitte. Wegen der Tröpfchen, die wir uns auf der Straße eingetreten haben könnten. (Moment, hustet da draußen einer? Schnell das Fenster zu!) Maske, Händewaschen (jeden Finger einzeln!), Babyelefant, Zähneputzen. (Zähneputzen? Ja. Das darf man wohl nicht zufällig vorm Gurgeltest nicht. Das Virus mag offenbar keinen frischen Atem.) Hm. Hat alles nix gebracht. Nicht einmal gegen einen Schnupfen. (He, und wenn’s daran liegt, dass sie ihr Obst nicht mit Seife gewaschen hat? Ich mach das sogar bei Bananen. Bevor ich sie schäle.) Seit Mittwoch null Uhr gilt trotzdem eine Maskenpflicht bei mir daheim. Meine Schwester ist allerdings davon befreit. Mit ihrer verstopften Nase kriegt sie sowieso bereits kaum Luft. Ich würde sie ja für zwei Wochen in ihrem Zimmer einsperren (und um 22 Uhr: Licht aus!), das ist aber blöderweise zugleich die Küche. Da steht der Kühlschrank. Verdammt, mein linkes Nasenloch ist zu. Ich bin gesellschaftlich ruiniert! Die Leute werden mich behandeln, als hätte ich Ebola. So wie ich meine Schwester gerade. Und das wünsche ich nicht einmal dem ärgsten Corona-Leugner. (Na ja, dem eventuell schon.)