Manchmal würde ich gerne diese Glosse mit einem Foto illustrieren. Ich habe eines gemacht, aber Sie glauben es mir auch so. Vor kurzem fiel mir ein großflächiges Werbeplakat vor einer Billa-Filiale auf. Auf diesem war ein roher, bereits gewürzter Schweinsbraten abgebildet. Unterhalb des Fleischstücks stand "Hofstädter - Schweinebraten vom Karree oder Schopf". Daneben zwei Logos: "Aus Österreich" und das AMA-Gütesiegel.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

"Schweinebraten aus Österreich" ist so absurd wie "Souvlaki aus der Türkei" oder "Steirerkas aus Kärnten". Wir essen ihn lieber mit einem Fugen-s.

Genau das weiß in Österreich fast jeder, nur Billa nicht. Dabei gibt sich die zum deutschen Rewe-Konzern gehörende Kette gerne österreichisch. Im Fernsehen lässt sie einen korpulenten Mann als einen Herrn Hofstädter auftreten mit dem Slogan: "Jetzt hat sich der Hofstädter wieder was erlaubt!" Es ist ein Schauspieler, der einen Fleischhauer mimt. Nach Protesten von Konsumentenschützern findet man heute meist irgendwo in kleiner Schriftgröße den Hinweis, dass "Hofstädter" nur eine Marke von Rewe ist.

Dieser angebliche Fleischhauer hat in der TV-Werbung immer wieder Texte vorzutragen, die gekünstelt österreichisch sind. So hängt er beispielsweise die bei uns so beliebte Endung -erl auch dort an, wo sie nicht hinpasst. Knöderl, Schnitzerl - das geht. Herr Hofstädter sagt aber "Beiriederl" - das geht nicht. Nervig ist auch das gebetsmühlenartig vorgetragene Relativpronomen "der was", statt hochsprachlich "der". Ich konstruiere einen Satz nach diesem Muster: "Der Hofstädter, der was nicht weiß, dass wir in Österreich Schweinsbraten sagen."

Ein Schwenk zu einem anderen Thema. Vor wenigen Tagen wiederholte der ORF alte Folgen der "Millionenshow", darunter auch jene, in der die Schriftstellerin Elfriede Awadalla die Millionenfrage richtig beantwortet hatte. Awadalla ist Herausgeberin der österreichischen Dialektzeitschrift "Morgenschtean". Eine Frage lautete: "Welche dieser Formulierungen ist eine Tautologie?" Die richtige Antwort war "immer und ewig". Eine falsche war "Minuswachstum". Assinger, von seinem Bildschirm ablesend: "Minuswachstum ist ein Euphemismus." Awadalla: "Nein, wenn zwei Gegensätze zusammenkommen, ist das ein Oxymoron." Das hätte eine interessante Diskussion werden können, aber Assinger würgte sie mit einem scherzhaften "Hams mi gern!" ab.

In einer anderen Folge zitierte Assinger etwas ungenau einen bekannten Spruch: "Der aanzige Unterschied zwischen den Österreichern und den Deitschn is die gemeinsame Sproch." Die Zuschauer im Kölner Millionenshow-Studio, hauptsächlich Deutsche, applaudierten begeistert. Ich habe an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass der Satz von Karl Farkas popularisiert wurde - in Anlehnung an ein ähnliches Zitat, das auf die sprachlichen Gegensätze zwischen Briten und Amerikanern gemünzt war. Farkas formulierte es so: "Die Österreicher unterscheiden sich von den Deutschen durch so mancherlei, besonders durch die gleiche Sprache." Sich durch Gleiches zu unterscheiden - auch das ist ein Oxymoron.