Heinz-Christian Strache versucht, kurz vor der Wahl mit einem rechtlich bedenklichen Youtube-Video Erregung zu erzeugen. Das Video ist auf ein junges Publikum zugeschnitten, der anonyme Sänger und das Arrangement erinnern an die großen Hits von Falco. Dass dies den Falco-Nachlassverwaltern nicht gefällt, liegt auf der Hand. Sie gehen zum Kadi. Das Musikvideo bediene sich der unverkennbaren Stimme Falcos zu Wahlwerbezwecken. Es imitiere "unverkennbar Stimmlage, Tonfall, Sprachmelodie und Dialekt" des 1998 verstorbenen Künstlers, hieß es in einer Aussendung. Damit nutze das "Team HC" den "hohen Wiedererkennungswert der Stimme Falcos".

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Das Video hat durch Zeitungsberichte eine beträchtliche Publizität erlangt, was an der Zahl der Abrufe zu erkennen ist, aber vermutlich haben es viele nur aus Neugier angeklickt. Ich gehöre auch dazu. Mich hat interessiert, wie der einst mächtige Parteichef und Vizekanzler um sein politisches Überleben kämpft und die Jungen anspricht.

"Gemeinsam aufstehen - für Wien", singt der Falco-Stimmenimitator zu Beginn des Videos, "HC is back in town". Ich frage mich: Aus Ibiza? Aus Klosterneuburg? Dann wird in Schlagworten das Parteiprogramm heruntergespult. Das "Team HC" schützt "unsere Heimat, unsere Werte...", es ist "fia a stoake Polizei auf unsare Stroßn, anstatt unsare Leute zu entwoffnen", eine Replik auf die Forderung der Grünen, dass Polizisten in Zukunft keine Waffe tragen sollen. Außerdem ist Strache "für leistbares Wohnen in der Stodt, wo jeder Österreicher Vorrechte hot." Dann der Refrain: "Was tut den Mächtigen weh? A Kreuzerl bei HC!" In Wahrheit spekulieren "die Mächtigen" darüber, wie die Mandatsverteilung aussieht, wenn das "Team HC" die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringt.

Der Spruch "Liebe Leute, werdet munter, a echter Wiener geht ned unter" erinnert an die Fernsehserie von Ernst Hinterberger. Strache sieht sich nicht nur als "echter Wiener", sondern auch als "ein Original für Wien - und keine Kopie". Die Schlusspointe des Videos lautet: "Das System ist gegen ihn, weil er für euch ist!"

Mit einem ähnlichen Spruch warb 1994 Jörg Haider, damals noch blau, um die Gunst der Wähler auf Wahlplakaten: "Sie sind gegen ihn. Weil er für euch ist." Im Jahr 2008 plakatierte die FPÖ Haiders Spruch noch einmal - und wurde vom inzwischen gegründeten BZÖ der Einfallslosigkeit geziehen.

Wahrscheinlich dachte man sich im "Team HC", aller guten Dinge sind drei - und änderte lediglich auf "das System". Dieser Ausdruck ist allerdings vorbelastet. Er wurde von den Nationalsozialisten abwertend verwendet, und zwar für die Weimarer Republik und deren Institutionen. Die Periode von 1918 bis zur Machtergreifung im Jahr 1933 wurde als "Systemzeit" bezeichnet, die politischen Gegner der Nationalsozialisten waren die "Systemparteien", ihre Medien die "Systempresse". Den jungen Strache-Fans wird es egal sein.

Außerdem zieht Strache im Stil eines Rappers über die politischen Mitbewerber her. "Der Ludwig, den siecht ma ned. Der Blümel, der vagisst hoid recht gern. Den Nepp und die Hebein, die loss ma bleibm." Daher: "A Kreuzerl bei HC".