Einmal Journalist, immer Journalist. Man bekommt, wenn man sich in seiner Jugend dem Metier verschrieben hat, auch im Alter und in anderen Lebensumständen dieses Erbgut nicht mehr aus seiner Genstruktur. Insofern habe ich als Gelegenheits-Autor und Verleger, der sich seit Jahrzehnten weit mehr um Musik als um Gebrauchstexte kümmert, das Fachmagazin "Der österreichische Journalist" abonniert. Man kann da immer etwas lernen. In der aktuellen Ausgabe etwa, wie Kolumnen gelingen. Der Lehrmeister heißt Axel Hacke - und vor diesem Meister der kurzen Form ziehe ich allemal den Hut.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Aber hier geht es ja weniger um die schönen Künste. Es hakte beim Begleitschreiben des "Journalist"-Herausgebers ein, das in wohlgesetzten Worten einen schweren Verdacht postulierte: "Angst vor Technik kann man unserem Berufsstand nicht nachsagen", stand da zu lesen. "Vielleicht aber Unbekümmertheit oder gar Dummheit." Warum das? Nun: "Hinter vorgehaltener Hand hinterfragen zunehmend mehr Chefs den Sinn ihrer Newsroom-Investitionen. Haben wir vielleicht unser Geld verkehrt investiert? In teure Technik anstatt in Journalismus?"

Gute Frage. Als Kronzeuge der Anklage wird Christian Lindner, Ex-Chefredakteur von "Bild am Sonntag", angeführt. "Ich war überrascht, wie produktiv wir im plötzlich verordneten Homeoffice waren", wird er zitiert. Dabei geht es Journalisten hier nicht einen Deut anders als Millionen Dienstnehmern in anderen Branchen. Der Laptop dient uns allen seit vielen Jahren als Büro, dient er nicht? Corona war nur der Katalysator für seinen extensiven und offiziösen Gebrauch. Die Überraschung ist doch eher, dass es eine Überraschung ist, dass moderne Kommunikationstechnik funktioniert. Dann aber auch wieder nicht: Die Generation der Entscheider, die einst Investitionen in Newsrooms, Großraumbüros und repräsentative Sitzungssäle tätigten, war schon in den Nullerjahren nicht up-to-date. Von den Arbeiterkämmerern und Gewerkschaftern gar nicht zu reden - die haben immerhin eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die uns im Frühjahr 2021 verkünden soll, wie von Gesetzes wegen mit digitaler Heimarbeit umzugehen ist. Bis dahin werken wir in den Grauzonen der Realität.

Aus eigener Anschauung weiß ich, dass die Hörfunk-Profis des ORF teils schon seit dem vorigen Jahrtausend aus ihren Wohnzimmer-Studios funken. In bestechender Qualität. Natürlich könnten ob dieser demonstrativen Flexibilität der Mitarbeiter diverse Chefitäten auf Ideen kommen. Der Sparstift regiert ja allerorten. Freilich haben auch Medienmanager nur eine Zukunft, wenn ihre Medien überleben. Die eingangs vorgeschlagene Rückbesinnung auf Journalismus (statt Technik, Studios und Überbau) bedeutet aber zuvorderst Investitionen in das eigene Personal.

Allerdings kann man auch so argumentieren wie Hubert Patterer, der Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", deren Digitalabteilung gerade durch Corona einen Schub erfahren hat. "Homeoffice und Journalismus sind ein Widerspruch" klagte er. Warum? "Man roch irgendwann das Telefon und die Hausschlapfen heraus". Es muss sich dabei um ein sehr österreichisches Problem handeln.