Wir haben gerade unseren Winterurlaub gebucht. Ganz so wie es dem Gesundheitsministerium gefällt, wird es diesmal nach Kärnten gehen statt wie gewohnt nach Andalusien. Wir haben uns für einen See hoch oben in den Bergen entschieden. Das Hotel ist idyllisch gelegen. Gleich am Ufer. Wenn man wollte, könnte man von der Terrasse direkt hinein ins kalte Wasser hüpfen. Aber wer will das schon? Außerdem ist gerade dieser See in der Regel tief vereist im Winter. Also doch besser Schlittschuhlaufen. Oder Eisstockschießen mit den Einheimischen.
Am schönsten ist es im Winter in Andalusien immer dann, wenn man eine Rotweinflasche neben sich weiß und gedankenverloren aufs Meer hinausschaut. Gedankenverloren, aber trotzdem blickgenau fokussiert auf den einzigen Punkt weit und breit, wo jeden Moment ein Wal aus den Wellen springen könnte. Ich sitze schon seit Jahren irgendwo am Strand und schaue hinaus aufs Meer. Einen Wal habe ich dabei noch nie aus den Wellen springen sehen. Da war immer nur nichts und ab und zu ein Vogel. Ist mir aber egal. Lotto spiele ich schließlich auch noch immer.
Beim Eisstockschießen mit den Einheimischen bin ich weniger an der sportlichen Betätigung als an der Vorratskammer interessiert. Die haben sehr oft einen erstklassigen Schnaps dabei. Das ist dann die gemütliche Variante vom Après-Ski. Man trinkt einen Schnaps und geht weiter. Oder man trinkt zwei und bleibt stehen. Der See bietet vielerlei Möglichkeiten zum Eisstockschießen. So vergeht der Tag und am Abend hat man was getan für Geist und Körper.
Eigentlich wollte ich diesen Winter gar nicht weg. Ich dachte mir, es ist obszön, gutes Geld für Zugfahrt, Hotel und Schnapstee auszugeben, wo doch überall so viele unter der Krise leiden. Aber dann siegte die Vernunft. Ich war schon im Sommer nicht weg. Wenn ich auch im Winter bleibe, komme ich bis zum März nicht weiter und dann bin ich das ganze Jahr in Wien gewesen. Das ganze Jahr in Wien hält niemand aus. Nicht einmal der Bürgermeister.