Leicht ist es nicht, der aktuellen politischen Situation etwas Lustiges aus den Rippen zu schnitzen. Und wenn einem etwas einfällt (Trump an Covid-19 erkrankt und das halbe Weiße Haus infiziert), dann verbietet einem das Niveau, die gute Erziehung und der ganz normale Anstand, das zu publizieren. Dabei hätte ich so einen schönen Witz: Was ist der Unterschied zwischen Trump und einer Fledermaus? Na? Ganz einfach: Die Fledermaus . . . Ach so, ich soll ja nicht. Schade.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Währendessen feiert Kärnten 100 Jahre Volksabstimmung, und auch sonst nicht so schön: Die Corona-Ampeln verfärben sich wie das Herbstlaub. Langsam wird alles orange. Deswegen bin ich auch für eine fünfte Ampelfarbe. Auf Rot (höchste Alarmstufe!) folgt Blau ("Alles wieder zu? I sauf mi nieder. Is jetzt a scho wurscht."). Würde dann die Ampelfarbe mit dem Zustand der Bevölkerung in Einklang bringen. Und Harmonie ist ja wichtig. Nur leider nicht sehr verbreitet. In Arzach etwa schlägt man sich ja mal wieder den Schädel ein. Arzach? Kennen Sie nicht? Klingt wie eine 300-Seelengemeinde im Lungau ("Und da hint‘, wo’s entrisch wird, do liegt dann Arzach. Da muascht nit hin."), ist aber der neue Name des Gebiets im Kaukasus, das bis vor kurzem noch Berg-Karabach geheißen hat. Und das ist ja der internationale Megatrend der letzten Jahrzehnte: neue Namen für alte Orte. Ein "Same shit, new package"-Programm für Kartografen. Myanmar hieß früher Burma, auf Deutsch manchmal auch Birma. Mumbay hat man vor gar nicht so langer Zeit Bombay gerufen und sogar Gin danach benannt. Und Neuseeland wird möglicherweise in Aotearoa umgetauft werden. Aotearoa kommt aus der Sprache der Maori, heißt "Land der langen weißen Wolke" und kann von einem mitteleuropäischen Nicht-Maori flüssiger ausgesprochen werden, wenn er vorher zwei Liter Grünen Veltliner getrunken hat.

Die Maori selbst nennen sich auch "Tangata whenua", wie ich bei der Recherche herausgefunden habe. Das bedeutet "Menschen des Landes" (auf Wienerisch also "Gscherde") und das hilft einem auch nicht weiter. Nordmazedonien ließ sich bis vor Kurzem noch Republik von Skopje rufen oder sogar FYROM (Former Yugoslav Republic of Macedonia), was nach einem Präparat gegen Verdauungsstörungen geklungen hat ("Nehmen’s dreimal täglich Fyrom, dann wird das wieder.").

Und Überlebende der 80er Jahre in Wien (wie der Autor) wissen sogar, dass die ehemaligen Hofstallungen bevor sie das MuQua wurden, Messepalast geheißen haben.

Warum also nicht mitmachen bei diesem Trend? Lasst uns die USA nur noch "Land des dummen weißen Mannes" nennen, China das "Reich des hervorquellenden Hustens", die Türkei "Erdoganistan", Russland "Putinesca", das Paznauntal "Death Valley", und Wien kann man nach der Wahl wohl guten Gewissens "Ludwigsruh" taufen. Und dass man Kärnten nach 100 Jahren Deutschtümelei endlich mal "Koroka" nennt, wäre nur gerecht.

Schließlich heißt es in dem schönen Lied "Istanbul not Constantinopel" so schön "Even old New York was once New Amsterdam". Eben. Und genau dort ist 1918 der Großvater des jetzigen US-Präsidenten, Friedrich Trump, an der Spanischen Grippe gestorben (die nicht aus Spanien kam).

Geht doch. Und das nächste Mal schreib ich über Fledermäuse.