Wie sich die Zeiten ändern. Früher dachte ich beim Wort Maske an den Carneval von Venedig, an "Un ballo in maschera" und an die Commedia dell’arte. Etymologisch betrachtet dürfte "Maske", "maskieren" und "Maskerade" über das Italienische auf arabisch mashara (= Scherz, Maskerade, Gesichtsmaske) zurückzugehen. In den Tiroler Dialekten wird aus italienisch mascera oft Maschgara, denn die Lautkombination schg ist leichter auszusprechen als sk. Maschgara ist in Tirol die Bezeichnung für einen Maskierten in der Fasnacht.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Nun ist "Maske" der Oberbegriff für einen Maßnahme gegen die Verbreitung des Corona-Virus geworden. Gemeint sein kann dreierlei: die Mund-Nasen-Bedeckung, das ist ein industriell gefertigtes oder in Eigenregie genähtes Tüchlein; die medizinischen Masken, wie sie bei Operationen verwendet werden; die FFP-Masken - sie schützen den Träger der Maske vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen.

Ob die Mund-Nasen-Bedeckung, die primär die anderen schützt, überhaupt als Maske bezeichnet werden darf, ist strittig. In Fachkreisen tut man dies nicht, im alltäglichen Sprachgebrauch schon. Die verkürzte Form "Mund-Nasen-Schutz" (MNS) oder "Mundschutz" passt inhaltlich nicht wirklich, der Träger schützt sich ja nicht selbst.

In vielen Geschäften und Lokalen findet man heutzutage beim Eingang eine Tafel mit der Aufschrift "Maskenpflicht!" Unlängst bin ich gedankenlos mit meiner Frau ohne Maske in ein Gasthaus gegangen, der reservierte Tisch war ein paar Meter von der Eingangstür entfernt. Sofort schallte es vom Nebentisch: "Maskenpflicht! Maskenpflicht!" Unseren Fehler bemerkend, sind wir zurück ins Freie. Manchmal, vor allem in Deutschland, wird in solchen Fällen nicht "Maskenpflicht!" gerufen, sondern "Maske auf!" - eine martialisch klingende Befehlsform.

Im Internet kann man Masken mit Schriftzügen kaufen. "Achtung, das ist kein Überfall, ich will nur einkaufen!" weist auf eine weitere Bedeutung des Wortes hin. Auf die Corona-Inserate der Bundesregierung spielt ein anderer Text an: "Längenmaße in Österreich: Millimeter, Zentimeter, Baby-Elefant, Kilometer." Oft wird das Unbehagen des Trägers mit den verordneten Maßnahmen zum Ausdruck gebracht: "Für die Freiheit geboren - zur Maske gezwungen" oder "Ich schwitze, also bin ich!" In Bayern wird "auf" den Masken "über" die Masken geflucht: "Sakrament. Zefix. Scheißglump. Verreckts." In Baden-Württemberg kursiert ein Corona-Tüchlein mit der Aufschrift: "Maultaschen. Mundschutz auf Schwäbisch." Das ist eine nette Doppeldeutigkeit. Maultaschen sind einerseits eine Speise der schwäbischen Küche, entfernte Verwandte der Kärntner Nudeln und der Tiroler Schlutzkrapfen. Andererseits werden die Mund-Nasen-Bedeckungen als "Maultäschle" bezeichnet.

Manches kennt man schon. "Wenn du das lesen kannst, bist du zu nahe!" - natürlich in sehr kleiner Schrift. Das stand früher auf Damenpullovern, durch die Abstandsregel hat der Satz eine neue Dimension bekommen. Beruhigend und aufmunternd sind Sprüche wie "Alles wird gut!" oder "Unter dieser Maske versteckt sich ein Lächeln!" Diese gefallen mir besonders.