Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Unlängst stöberte ich in einem Karton mit Büchern, den mir ein Bekannter vor einiger Zeit überlassen hatte. Darin fand sich neben viel Lesenswertem eine sorgfältig zusammengeklebte Sammlung vergilbter Zeitungsausschnitte, deren Deckblatt mit "Der spanische Gärtner - A. J. Cronin" beschriftet war. Mindestens ebenso spannend wie der Roman des früheren Erfolgsautors, den eine österreichische Tageszeitung in Fortsetzung abgedruckt hatte, waren jedoch die Rückseiten mit Berichten aus Chronik und Sport, das Ganze aus dem Jahr 1951.

Um es gleich vorweg zu sagen: Gestohlen, geraubt und gemordet wurde damals ebenso wie heute. Allerdings erfuhren die Leser den vollen Namen, den Herkunftsort und in Wien oft auch die genaue Wohnanschrift von Opfern wie Tätern. Auch Betrügereien waren keine Seltenheit. Manchmal waren diese mit erheblichem Einfallsreichtum verbunden.

So tat sich etwa ein ehemaliger Schauspieler mit seiner Gattin und einem anderen Pärchen zusammen und zog mit einer aufwendigen Modeschau, zu der fünf Mannequins und eine Musikkapelle gehörten, durch Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark. Den zahlenden Besuchern wurde neben diesem Genuss auch ein Quiz mit Warenverlosung geboten - die genauen Antworten kannten allerdings nur die vier "Veranstalter", die einander folgerichtig jedes Mal die ausgespielten Preise überreichten. Gar nicht dumm, nur flog die Sache nach zehn Wochen auf.

Die Auslandschronik wiederum vermeldete, dass in Grenoble ein Zirkusschimpanse während einer Vorstellung ins Publikum stürmte und einen Zuschauer küsste, bei dem es sich um den Grafen Pierre de la Gontrie handelte, den Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Rates der Republik. Der Affe habe sich danach wieder in die Manege begeben. Wie der Graf reagierte, ist nicht überliefert.

Die Berichterstattung an und für sich ist äußerst detailreich und geht insbesondere im Sportteil auch bei kurzen Meldungen über das rein Faktische weit hinaus. So heißt es etwa in der Fußball-Rubrik: "Der Wiener Sportklub darf nach dem Verlust seiner beiden Standardspieler Röckl und Schleger auch den Verlust eines Teiles seines guten Rufs beklagen." Die Wiener hatten gegen Racing Paris mit 1:8 verloren. "Das Ergebnis ist für die weiteren Frankreichspiele des Sportklubs keine Empfehlung." Wie wahr. Fast prophetisch mutet die Ankündigung einer Wiener Partie an: "Geladen mit Zorn über die jüngste Niederlage gegen Austria wird die Rapid-Elf am kommenden Sonntag mit besonderer Verbissenheit um die ersten Punkte kämpfen. Das Opfer ist Admira."

Als ich mit dem Roman zu Ende gekommen war, wusste ich nicht nur, das Cronins spanischer Gärtner sein junges Leben unter dramatischen Umständen lassen musste, sondern hatte tiefe Einblicke in die Welt der frühen 1950er Jahre gewonnen. Der Sportredakteur hatte übrigens das Unheil für die arme Admira kommen sehen: Rapid siegte mit 2:1.