Die Sprache der Werbung ist verführerisch. Wer, sagen wir, seit Jahren die Zigarettenmarke "Smart" raucht, kam sich wohl lange auch so vor - und leidet heute eventuell an einem Lungenkarzinom. Die gleichnamige Automarke, erdacht vom Schweizer Uhren-Revolutionär Nicolas Hayek, hat für Young Urban Professionals einst das richtige Micro Car entwickelt; seit der Übernahme durch Daimler-Benz ist die Idee aber arg verwässert. Und freilich ist heutzutage ein Smart Home oder Smartphone mit jeder Menge künstlicher Intelligenz vollgestopft; ihre nutzbringende Anwendung hängt aber immer noch von der natürlichen Schlauheit des Besitzers ab. Ich misstraue also der vermeintlich vifen Etikettierung, seit ich in meiner Pubertät "Clever & Smart"-Hefte verschlang. Die Helden dieser Comics-Serie sind zwei Agenten, die sich für oberschlau halten. Sie sind aber unfassbare Tölpel.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Insofern hielt ich bislang auch Respektabstand zu Smartwatches. Obwohl ich, no na, technische Spielereien und gewitzte Gadgets liebe. Da ich aber nicht dem Laufsport zuneige oder mit einer Armbanduhr Ferngespräche führen mag (da fällt mir glatt ein weiterer TV-Serien-Agent namens Maxwell Smart ein, der mit seinem Schuh telefonierte!), gab es keinen Anlass, sich mit entsprechend schlauen Zeitmessern auseinanderzusetzen. Aber man entkommt seinem Schicksal nicht. Jedenfalls begann ich mich intensiver für Smartphones zu interessieren, als ich nach einer Operation etwas für meine Fitness tun musste.

Eigentlich sind die Dinger ja winzige Rechenzentren am Handgelenk. Mittlerweile. Denn ursprünglich ging es hauptsächlich darum, dass die Uhr als "Wear-able" eine Verlängerung des Smartphones war und mittels Bluetooth-Konnektivität Daten darstellen konnte, wofür man nicht extra das Handy aus der Hosen- oder Handtasche fischen musste. Das gilt auch noch heute für das Gros der billigen Exemplare. Steckt aber eine eigene SIM-Karte (oder eine bereits eingebaute eSIM) im Gerät, ist es weitgehend unabhängig vom Smartphone. Und lässt erstaunliche Dinge zu. Vor allem auch - mit immer ausgefeilteren Körpersensoren - im medizinischen Bereich.

Ich war insofern nicht erstaunt, dass die junge Ärztin im Reha-Zentrum, in dem ich mich gerade befinde, fast schon demonstrativ eine Apple Watch trug. Serie 6?, fragte ich ungeniert. Sie schüttelte den Kopf. Schade, meinte ich, wo doch die neueste Generation nicht nur ein EKG erstellen kann, sondern auf Knopfdruck sogar die Sauerstoffsättigung im Blut misst! Die Ärztin lachte. "Das ist mehr ein Gag", hob sie zu einer freundlichen Brandrede an. "Vergessen Sie das! Herzfrequenz und Schrittzähler reichen." Sie selbst trage die Uhr einfach, um überall erreichbar zu sein. Punktum.

Gut, das spart mir doch einige hundert Euro. So ausgeklügelt, fortschrittlich und schick die Apple Watch auch sein mag - es tut auch der Zeit- und Pulsmesser aus der Supermarkt-Grabbelkiste. Ich fand eine Plastik-Smartwatch um 79 Euro, die sogar GPS eingebaut hat. Und darf Ihnen berichten: Diese Kolumne entstand auf 688 Meter Seehöhe im tiefsten Waldviertel. Mein Puls ist im grünen Bereich. Smart, nicht?