Ich hab grad eine Liste gemacht, was ich noch alles besorgen muss: Abdeckfolie, Klebeband, Druckverschlussbeutel, Gummihandschuhe natürlich, große Müllsäcke . . . - nein, ich will niemanden umbringen und nachher die Leiche entsorgen (dafür bräuchte ich außerdem eine Säge, oder?), ich will bloß ein paar Freunde zu mir nach Hause einladen. (Hoffentlich bringen die mir keine Blumen mit, weil wer weiß, wer da schon seine Nase reingesteckt hat.)

Jedenfalls hab ich im Fernsehen dieses Interview gesehen. Mit dem Chef vom Roten Kreuz, dem Gerry Foitik. Der hat am Montag in der ZiB 2 auf die Frage, warum er denn seine Maske im Studio aufbehalte, geantwortet: "Ja weil es klug ist, die Masken immer dann im Innenraum zu tragen, wenn man nicht alleine ist." Das hat er in der Mittwochsausgabe vom "Heute" noch präzisiert. Dass das Privatwohnungen inkludiert (". . .wenn neben Familienangehörigen auch Fremde anwesend sind"). Moment: Wieso sind Familienmitglieder ausgenommen? Fast 60 Prozent der Corona-Cluster hat man in privaten Haushalten entdeckt, hallo? Okay, dass man sein Wohnzimmer mit Folie abkleben soll, das hat er vielleicht nicht dezidiert gesagt . . . - trotzdem. Und ich halte mich an die Empfehlungen vom Roten Kreuz. Sogar an die unausgesprochenen.

Wie wird der Besuch also ablaufen? Zuerst: Begrüßung durch mein Ohrthermometer. Als Nächstes: Schuhe ausziehen (die Jacken können sie anlassen, die Fenster bleiben nämlich offen) und Hände waschen. Hm. Wenn wir uns alle die Hände gewaschen haben, dürfen wir uns die dann eigentlich geben? Lieber nicht. Sicherheitshalber müssten wir sie uns im Anschluss gleich noch einmal waschen, und falls doch einer von uns positiv getestet wird, wären wir Kategorie-I-Kontaktpersonen (direkter physischer Kontakt!) und bekämen zehn Tage Hausarrest. Zu riskant. Vermutlich wird sich mein Besuch über die Malerfolie wundern: "Ach, kommt der Dexter auch noch?" Na ja, Platz genug wäre für ihn. Mit mir, meiner Schwester, dem Heinz, der Eva und dem Hans wären wir schließlich erst zu fünft. Und sechs Personen sind erlaubt. Nicht, dass das irgendwer bei mir daheim überprüfen dürfte. Hier geht’s aber sowieso nicht darum, was strafbar ist und was nicht, sondern darum, womit man sich selber wohlfühlt. "Du fühlst di wohl, wennst mit deinen Freunden auf einer Plastikfolie sitzt?" He, war das jetzt mein innerer Heinz? Kusch!

Und weil man seinen Gästen mehr anbieten muss als die Wasserleitung und ihr persönliches Stück Seife, das man später entsorgt, frag ich irgendwann: "Kaffee oder Kuchen?" Oder. Jeder hat ja nur zwei Hände und kann nicht Häferl, Teller und Gabel gleichzeitig halten, wenn er draußen vor der Tür steht. (Und mit welcher Hand würde er den Mund-Nasen-Schutz abnehmen, gell?) Danach kommt das Geschirr sofort in Quarantäne (in die verschließbaren Sackerln), und nach zehn Tagen wasch ich’s ab. Und die Müllsäcke? Sind für die kontaminierte Malerfolie. Nein, das ist mir alles zu kompliziert. (Noch dazu müsste ich vorher aufräumen.) Wir gehen in ein Lokal, basta. Da können wir an einem Tisch essen und trinken. Kaffee und Kuchen. Ohne Maske.