Die Memoiren des Filmregisseurs David Lynch fangen mit einem Blutbad aus der Kindheit an. Ein schöner Sommertag mit Swimmingpool und Gartenliege, Kinderlachen liegt in der Luft, ab und zu springt wer ins Wasser, einige Erwachsene sind wohl auch da und dann urplötzlich bricht das blanke Chaos aus. Ein kleiner Bub hat sich schwer verletzt, Blut und Panik überall, Aufregung, Geschrei und Hysterie, aber schon bald darauf, wie David Lynch schreibt, war alles wieder ganz normal. Das Leben ging weiter, als ob gar nichts geschehen wäre im Swimmingpool von David Lynch.
Am Ende aller Aufregung steht der Alltag. Noch ein Satz, den man sich ins Stammbuch schreiben soll, wenn man alt werden will in dieser Welt.
Ich fürchte mich im Moment noch nicht so sehr vor der Krankheit. Aber ich habe große Angst vor der Hysterie. Offensichtlich werden wir noch für geraume Zeit im Takt der Krise leben. Das macht keinen Spaß und Geld bringt es auch nur den Allerwenigsten, aber wieso müssen wir uns deshalb gleich gegenseitig an die Gurgel gehen?
Mich widert es an, wenn sich im öffentlichen Nahverkehrsnetz der Stadt Wien drei Sicherheitsbeauftragte mit einem Fahrgast prügeln, nur weil der Herr ganz offensichtlich nicht der Pflicht zum Mundnasenschutz nachkommen will. In den sozialen Medien bildeten sich schnell Befürworter für beide Seiten. Die einen haben vehement den Körpereinsatz der öffentlichen Hand begrüßt, die anderen mindestens ebenso vehement den Mann verteidigt, der am Schluss immer noch keine Maske aufhatte, dafür aber mit dem Kopf am Boden lag.
Sind wir wirklich schon so weit? Sollen das die Szenen sein, an die wir uns später mal erinnern wollen? Aufgeregt, hysterisch, aggressiv und gewaltbereit. Da muss man gar nicht in die U-Bahn. Da reicht das Fahrrad. Da genügt die Fußgängerzone.
Im Moment wirkt Wien wie aufgeladen auf mich, gerade so als ob die meisten Wiener sich gegenseitig gar nicht leiden können. Ich hoffe, das geht wieder vorbei. Ich hoffe, David Lynch hat Recht. Und alles wird wieder schön und Sommer.