Nach den Befragungen im Ibiza-Untersuchungsausschuss wissen wir: Wer einer Partei (z. B. der ÖVP) in diesem Land spendet, tut dies nicht, um Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Nein. Auf keinen Fall. Sicher nicht. Aber wo! Bist wahnsinnig? Geh, warum denn?!

Schließlich gibt es eine Reihe ganz anderer Gründe, Geld mit beiden Händen in eine Partei hinein zu schmeißen. Es fallen Ihnen, werte Leserschaft, keine ein? Da kann ich helfen. Zum Beispiel . . . warten Sie . . . gleich hab ich ’was . . .

äh . . . hetzen Sie mich nicht . . . hmmmm . . . Ja!

Man kann ja auch spenden, weil einem die Krawattenfarbe des Parteivorsitzenden gefällt. Oder, weil man findet, dass Herr Sobotka ein lässiger, anständiger Kerl ist, der angenehme Umgangsformen hat. Oder, weil gerade Donnerstag ist. Oder, weil gestern Donnerstag war, oder, weil morgen Donnerstag sein wird. Oder, weil ein so schöner Donnerstag war, wie schon seit einer Woche nicht mehr. Oder aber, weil gerade Mittwoch ist.

Oder, weil die Abkürzung ÖVP innerlich bewegt: Schließlich wurde man - Ö - 2012 zum Österreicher des Jahres (Pierer) gekürt, man ist - V - Vizepräsident der Industriellenvereinigung (Pierer) und war früher mal - P - Prokurist (Pierer).

Oder, weil die Partei einen an die eigene Kindheit erinnert. Diese geistige Breite, diese Beweglichkeit des Denkens und der Weitblick dieser politischen Bewegung, das alles ruft in einem doch sofort das Bild glücklicher Winterabende (also ab 15 Uhr) im Nebel verhangenen Innsbruck hervor (Benko).

Oder, man spendet aus familiären Gründen. Wenn die Frau Tochter mitspendet (Ortner), kann sich so älterer Herr kaum dieser ungezügelten Kraft weiblicher Jugend entgegenstellen. Man kennt ja die jungen Frauen von heute. Was interessiert die? Babykatzenvideos, ayurvedisches Butterschmalz, Schmink-Tipps im Internet, TikTok und - natürlich- an die ÖVP spenden. Das machen die so. Zumindest jene, die im Aufsichtsrat der ÖBAG sitzen.

Oder, man spendet schlicht aus Tradition. Man geht an einem ÖVP-Plakat vorbei, denkt an den Klingelbeutel in der Kirche, der Weihrauch steigt einem in die geistige Nase und - zack - schon kann man sich vor lauter Spendenlust kaum halten.

Oder aus Mitleid. Eine Partei, die einen Finanzminister stellt, der nicht weiß, ob er einmal einen Labtop besessen hat und auch einmal im Budget sechs Nullen vergisst. Das rührt einen als vermögenden Österreicher doch zu Tränen. Wer da nicht die Kreditkarte der Volkspartei schickt, sondern stattdessen einem Obdachlosen am Hauptbahnhof einen Zwanziger zusteckt, der muss ein Herz aus Eisenerz haben.

Vielleicht spendet man als philanthropischer Multimillionär auch, weil man sehr, sehr tolle Geschenke für eine Spende bekommt. Unter 50.000 Euro kriegt man zum Beispiel einen türkisen Schal. Logisch, dass man dann sehr oft einen Betrag in dieser Höhe ’rüberwachsen lässt. Dieses modische Must-have braucht man mehrmals.

Sie sehen, es gibt viele Gründe, Parteien Geld zu kommen zu lassen. Also canceln Sie ihren Dauerauftrag an Amnesty International, Caritas oder die Kinderdörfer und schicken Sie Ihr Geld einer notleidenden Partei.

Oder mir. (Ich schreib Ihnen
dafür auch ein schönes Gesetz . . . äh . . . eine Kolumne.)

Denn ich bin unbestechlich.