Es ist eine amüsante Politposse, die sich vor kurzem in Deutschland zugetragen hat. Die Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) legte eine Novelle zum Insolvenzrecht vor, in der feminine Personenbezeichnungen vorkamen, also Geschäftsführerin statt Geschäftsführer, Schulderin statt Schuldner etc. Das Argument: Da die Frauen seit jeher damit leben müssen, dass sie bei "Geschäftsführer", wie es heißt, "nur mitgemeint" sind, sollen sich einmal die Männer daran gewöhnen, dass sie beim Ausdruck "Geschäftsführerin" inkludiert sind.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Es geht hier um Fachbegriffe, die wir in der Schule leider nicht gelernt haben. Unter "generischem Maskulinum" versteht man ein Wort, das grundsätzlich keinen Bezug auf das natürliche Geschlecht der bezeichneten Person zulässt. "Einige hundert Demonstranten protestierten gegen die Maskenpflicht." In diesem Fall ist klar, dass Frauen und Männer dabei waren. Die inzwischen im ORF recht häufige Diktion "einige hundert Demonstrantinnen und Demonstranten ..." entbehrt nicht einer gewissen Komik. Natürlich sind unter den Demonstranten auch Frauen gewesen. Andernfalls würde es heißen: "Einige hundert Demonstranten, durchwegs Männer,
. . . "

Umgekehrt gibt es im Deutschen auch ein "generisches Femininum". Dazu gehören "die Person", "die Geisel", "die Koryphäe" etc. Niemand ist bisher auf die Idee gekommen, dass Männer nicht mitgemeint wären.

Die wesentliche Eigenschaft von Generika besteht eben darin, dass sie geschlechtsneutral sind. Denken Sie an den Hinweis in einem Aufzug, wonach höchstens "vier Personen" mitfahren dürfen. Nehmen wir an, vier Frauen
sind bereits im Lift - da huscht noch schnell ein Mann hinein und sagt: "Weil ich mit ,die Person‘ nicht mitgemeint bin!" Absurd, oder?

Wie wir gesehen haben, gibt es in der deutschen Sprache die Möglichkeit, mit Doppelformen zu betonen, dass in einer Gruppe beide Geschlechter vertreten sind: "In dem Forschungsteam arbeiten Wissenschaft-erinnen und Wissenschafter an der Entwicklung eines Impfstoffes." In diesem Fall soll die Beteiligung von Frauen hervorgehoben werden.

Aber jetzt zu einem wichtigen Wesensmerkmal unserer Sprache. Der angesehene und streitbare Linguist Peter Eisenberg brachte in der "FAZ" ein einleuchtendes Beispiel: In "Kommst du mit zum Bäcker?" ist Bäcker generisch verwendet: Der Bäcker kann ein Mann oder eine Frau sein. In "Unser Bäcker flirtet gern mit älteren Damen!" hingegen nicht. Der allergrößte Teil maskuliner Personenbezeichnungen ist also nicht einfach generisch, sondern allenfalls generisch verwendbar.

Das ist bei femininen Personenbezeichnungen anders: Physikerin, Lehrerin etc. haben das unabänderliche semantische Merkmal weiblich. Sie sind nicht generisch, sondern grammatisch auf das Merkmal weiblich festgelegt. Das zu ändern, wird nicht gelingen.

Der Anstoß der Ministerin war also zum Scheitern verurteilt. Einige Kabinettsmitglieder legten sich quer. In dem am Ende verabschiedeten Text gab es keine generischen Feminina. Auch Christine Lambrecht stimmte dem zu. Sonst wäre ein Gesetz beschlossen worden, das nur für Frauen gilt.