Gerald Schmickl ist Ressortleiter der Beilage "extra" der "Wiener Zeitung".
Gerald Schmickl ist Ressortleiter der Beilage "extra" der "Wiener Zeitung".

Also der Slupetzky ist schuld! Jetzt wissen wir es. In "Atemlos", dem jüngsten Erzählband des Wiener Autors Stefan Slupetzky (Picus Verlag), gibt es eine Geschichte namens "Bummabunga", die, nein, nicht von Silvio Berlusconi, sondern von einer Pandemie handelt. Einer schlimmen Seuche, die sich hurtig über den gesamten Erdball verbreitet.

Nun hat Slupetzky diese Erzählung, wie er in der TV-Büchersendung "ErLesen" (ORF III) kürzlich verriet, bereits im Herbst letzten Jahres geschrieben, also zu einer Zeit, als von Corona noch keine Rede war. Schon einmal, so der Schriftsteller, habe er ein Geschehen quasi herbeigeschrieben, wenn auch nicht von derart globalem Ausmaß, als die Schwangerschaft seiner Frau sich in ganz ähnlicher Weise zeigte wie bei einer seiner Romanfiguren kurz zuvor (nämlich im Appetit auf Salzgurken). Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man mit Slupetzky (auch Mitglied der famosen Wiener Musikgruppe Trio Lepschi) seine wahren Wunder erleben kann. Rund um die Lektüre von dessen Roman "Lemmings Zorn" gab es einst eine erstaunliche Anzahl von Zufällen und Parallelen zwischen den Geschehnissen im Buch und meinem eigenen Leben (von Namensgleichheiten, identen Orts- und Zeitangaben bis zum Lärmterror durch Bauarbeiten im jeweiligen Wohnhaus).

Mit dem Herrn ist also nicht zu spaßen. Wobei wir, im Vergleich zu "Bummabunga", mit Corona noch relativ glimpflich davonkommen. In der Erzählung verwandelt das Virus (benannt nach einem australischen Stamm, in dessen Sprache es schlicht "Menschenfleisch" bedeutet) die von ihm Befallenen in Windeseile in Zombies und Kannibalen, die über andere Menschen herfallen und ihnen alles Verwertbare buchstäblich aus dem Leib reißen und beißen. Abhilfe verschafft, wie ein sich gerade um dauerhafte Abstinenz bemühender Virologe und Ex-Alkoholiker bemerkt, einzig die Einnahme von - Alkohol, speziell von Wodka. Nur mit einer hohen Promilleanzahl bleibt man vom Virus und den Zombies verschont - eine flüssige Impfung sozusagen.

Nicht nur der Titel des neuen Kurzgeschichten-Bandes des Wiener Autors Stefan Slupetzky verweist darauf, dass er einiges von dem vorausgeahnt hat, was mittlerweile auf uns zukam . . .
Nicht nur der Titel des neuen Kurzgeschichten-Bandes des Wiener Autors Stefan Slupetzky verweist darauf, dass er einiges von dem vorausgeahnt hat, was mittlerweile auf uns zukam . . .

Die WHO propagiert einen Alkoholgehalt von eineinhalb Promille als Schutz vor Bummabunga. Kinder brauchen weniger: Sie erhalten u.a. in den Schulpausen "staatlich finanzierte Alkopops". Und: "Die sogenannte Wodkamilliarde des Sozialministers stellte die Versorgung aller Schulen und Kinderkrippen sicher." Auch bei führenden Politikern hinterlässt die alkoholische Rosskur Spuren: "Dutzende von Staatschefs fielen ins Delirium, allein der Präsident der USA ließ sich nichts anmerken. Er machte einfach weiter wie bisher."

Selbst mit seiner satirischen Fiktion war Stefan Slupetzky der Realität einen Schritt voraus - und nahm gewissermaßen ein Bild vorweg. Denn als die Russen heuer als Erste verkündeten, sie hätten einen Impfstoff gegen Corona in Entwicklung, gab es in den sozialen Medien sogleich Fotocollagen, die Wodkaflaschen mit Impfnadeln zeigten.

Ich fürchte, wir werden auch darauf noch eine Weile warten müssen. In der Zwischenzeit machen wir Slupetzky zum Gesundheitsminister.