Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Nein, Glück im Spiel habe ich wahrlich nicht. Beispiel Rubbellose: Gewinne gibt es immer nur und reichlich, wenn ich diese süchtig machenden Dinger verschenke und, daneben sitzend, mit ansehen muss, wie die Beschenkten glückstrahlend die Gewinne freirubbeln. Ich mache natürlich gute Miene zum bösen Spiel und tue so, als würde ich mich wahnsinnig mitfreuen.
Innerlich jedoch verfluche ich meine Gutmütigkeit.

Warum habe ich ausgerechnet diese Lose verschenkt und nicht selbst gerubbelt? Und nicht umgekehrt meine Nieten als Präsent kredenzt und dann Mitleid geheuchelt: Oh, wie schade, dass du nichts gewonnen hast, ich hatte so gehofft ...

Das echte Lotto blieb bei mir Episode. Nachdem außer ein paar Anstandsgewinnen, die eh nur dazu dienen, einen bei Laune und Lotto zu halten, nichts zu verzeichnen war, habe ich diese Variante schnell wieder aufgegeben. Ich zahle lieber Steuern, als dem Staat Geld gegen vage Gewinnversprechen zu überlassen. Da konnten nicht einmal die immer so schön anzuschauenden Lottofeen im Fernsehen helfen.

Auch der Versuch mit Sportwetten wurde rasch abgebrochen. Von Pferden verstehe ich rein gar nichts, und beim Fußball war entweder kaum etwas zu gewinnen, weil das Naheliegende eintrat - der FC Bayern besiegt den Aufsteiger aus Bielefeld, Borussia Dortmund fegt den Wolfsberger AC vom Platz -, oder man musste sich mit den Feinheiten irgendwelcher unteren oder dubiosen Ligen beschäftigen, um nicht völlig dem Irrlichtern des Fußballgotts ausgeliefert zu sein.

Daher dachte ich: Wenn schon wetten, dann auf etwas, wovon ich als Berufsleser etwas verstehe, also Literatur. Und so setzte ich in diesem Jahr bei einem englischen Buchmacher nicht unbeträchtliche Summen auf den heurigen Literaturnobelpreisträger. Meine absolute Favoritin war Maryse Condé, dahinter kam Ngugi wa Thiong’o und dann noch Najem Wali aus dem arabischen Kulturraum. Ich war mir sicher, es wird diesmal jemand, der weder weiß ist noch klassisch abendländische Literatur schreibt, denn seit Jahren wurde die immer gleiche "Schreibkultur" ausgezeichnet (Dylan, Tranströmer, Handke etc.). Damit musste doch irgendwann Schluss sein.

Doch dann: Louise wer?? Abgesehen davon, dass diese Wahl für den hiesigen Buchhandel eine Katastrophe war (kein einziges Buch lieferbar), empfand ich sie als Schlag ins Gesicht, ja als Hohn. Und zwar nicht, weil die gute Frau aus Amerika so gut wie niemand kannte. Sondern weil ich schon wieder vermaledeites Pech im Spiel gehabt hatte. Und das ausgerechnet wegen einer Dichterin namens Louise Glück.