Eigentlich hätte es in dieser heutigen Kolumne um den Nationalfeiertag gehen sollen, um die Kulturnation Österreich und natürlich um Halloween. Eigentlich hätte ich die Frage aufwerfen wollen, warum man nicht den Nationalfeiertag und Halloween zusammenlegt. Denn die Innensicht und die Außensicht dieses schönen Landes klaffen dann doch da und dort ein wenig auseinander. Halten wir uns innerhalb der Staatsgrenzen für ein freundliches, vielleicht sogar etwas langweiliges (wir nennen es "gemütliches") Völkchen, das durch Charme, Schmäh und Radetzkymarsch besticht, nimmt man das Land von außen etwas anders wahr: Rückständig und bremsend (man kann es auch "gemütlich" nennen), dafür interessant, was etwas andersartige Kulturproduktionen (Bernhard, Braunschlag, Bumsti-Video) und abartige Verbrecher betrifft (Hitler, Fritzl, Priklopil). Mein Vorschlag wäre gewesen, statt eines mageren Feiertags gleich eine Feierwoche auszurufen. Anfangen am Heldenplatz und dann vier Tage saufen, um am 6. Tag im Gruselkabinettkeller zu erwachen. Aber am 7. Tag (wie seinerzeit der "Herr") ruhen wir. Zu Allerheiligen. Eingedenk der Vergänglichkeit.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Das hätte ich natürlich alles mit historischen Detailwissen gespickt, damit das ehrbare Volk sagen kann: "I mag eam net, aber a Ahnung hat er schon." Was das ehrbare Volk nie sagen würde. Sauschädel, Nestbeschmutzer oder Betriebsablaufoptimierer und andere Schimpfwörter sind wahrscheinlicher.

Das wäre schön gewesen. Oder lustig. Oder weder noch.

Gibt es jetzt aber nicht, weil Ihr Glossenhauer in den letzten Tagen mit zahlreichen Kollegen aus seinem Zweitberuf in Kontakt war. In echt ist er ja Kabarettist oder Maulheld oder Schmähtandler oder Humorpfarrer. Wenn es sein muss, auch "Kleinkünstler".

Und die Kollegen am Telefon, im Cyberspace oder in Radio und Fernsehen haben geklagt. Wenn sie noch konnten. Die meisten haben eher geächzt oder still gelitten.

Keine Auftritte, keine Förderung, keine Unterstützung, kurz gesagt: Kein Geld und keine Aussicht, eins zu verdienen. Und mit ihnen auch alle mitarbeitenden Musiker, Regisseure, Licht-Techniker, Tonmischer, Fahrer, Kostümbildner, Bühnenbildner, Veranstalter, Hotelbetreiber, Wirte und -Innen. Ganz zu schweigen von ihren von ihnen finanziell abhängigen Lebenspartner, pflegebedürftigen Angehörigen und Kindern.

Sogar Kulturkritiker wissen nicht mehr, was sie kritisieren sollen. Weil nichts mehr da ist. Eine Kulturnation ohne Kultur.

Aber natürlich lassen wir uns nicht unterkriegen! Wir verschenken unsere Inhalte im Netz. Zum Wohle von Internet-Milliardären. Die zahlen auch so gut wie keine Steuern und niemand fragt sie nach ihrer Sozialversicherungsnummer. So sind wir. Wie heißt es in dem Song "No business like showbusiness"? "There’s no people like show people, they smile when they are low." Genau! Und dann geben wir uns lächelnd die Kugel.

Insofern sollten wir dann wenigstens zu Allerseelen die Kulturnation feiern. Und an alle verschiedene Künstler gedenken. Dann kann das ehrbare Volk sagen:

"Großartig! Wunderbar! Unglaublich stilvoll verhungert san’s!"

Dann wird man um die Burg getragen oder ins Massengrab geworfen und alles wendet sich wieder den Chronik-Meldungen zu. Ganz gemütlich.