Hm. Wenn ich das nächste Mal einen Gusto auf eine Leberkässemmel habe, steck ich vorher lieber Zahnseide ein. Bloß zur Sicherheit. Damit ich mich nicht strafbar mache. Ich hab sie mir schließlich ganz genau durchgelesen: die Covid-19-Notmaßnahmenverordnung.

Okay, dafür dürfte es ohnehin bereits zu spät sein: mich nicht strafbar zu machen. Das hab ich ja vermutlich längst. Also gegen die Verordnung verstoßen. Andererseits bin ich auf etwaigen Überwachungskameras gar nicht drauf. Weil ich meine Schwester geschickt habe. Beziehungsweise hab ich sie gebeten, dass sie mir was mitbringt, wenn sie sowieso rausgeht. Mich könnte man höchstens wegen Anstiftung drankriegen. Am Tag eins des Lockdowns hat nämlich plötzlich meine Maus zu spinnen angefangen. Hätte sie ihren Homeoffice-Koller nicht einen Tag früher bekommen können? Jedenfalls hab ich dringend eine neue gebraucht. Ach, und da hat meine Schwester beim Media-Markt eingebrochen und dabei blöderweise den Kundenbereich der Betriebsstätte betreten, obwohl ihr das der Rudi Anschober ausdrücklich verboten hatte? Falsch. Sie ist zum Interspar einkaufen gegangen. Weil der sogar Mixer und Bademäntel hat. Auf der Seite vom Gesundheitsministerium ("Häufig gestellte Fragen") heißt es freilich: "Es dürfen in den offen bleibenden Geschäften allerdings nur Waren erworben werden, die dem ,typischen Warensortiment‘ des in der Verordnung erlaubten jeweiligen Geschäftsbereichs entsprechen." Äh, erwerben - so wie "kaufen"? Bedeutet das, wenn ich im Lebensmittelladen eine Computermaus "erwerbe", kann ich belangt werden? Na ja, hängt wahrscheinlich davon ab, ob eine Maus ein Spielzeug, eine Blume oder ein Elektrogerät ist. Dann eventuell schon.

Inzwischen trau ich mich nicht einmal mehr, Socken beim Bipa zu kaufen. Aus Angst, der Palmers könnte mich anzeigen. Und die Leberkässemmel beim Billa? Ist das nicht eigentlich ein Würstelstandsortiment? Wurscht. (Nein, Käs. Leberkäs.) Die dürfen eh auch offen haben, die Würstelstandln. Die können sich echt nicht aufregen. Ihre Kunden müssen sich halt schnell über die Häuser hauen, dürfen die heiße Ware in einem Umkreis von 50 Metern nicht verputzen. Moment. Ist meine Wohnung überhaupt 50 Meter von der Wursttheke vom Billa entfernt? Womöglich darf ich die Semmel bei mir daheim gar nicht essen. Und wie soll ich das jetzt überprüfen? So ein langes Maßband hab ich nicht. Und mir 50 Babyelefanten vorzustellen, die sich ohne Babyelefantenabstand vor meiner Tür anstellen, überfordert mich. Besonders weil die Viecher unsichtbar sind. Puh, das Konsumationsverbot erstreckt sich doch nicht auf den privaten Wohnbereich. Trotzdem ist es ratsam, beim Würstelstand immer Zahnseide dabeizuhaben. (Beim Zähneputzen bin ich nämlich draufgekommen, dass ich sehr wohl ein 50 Meter langes Maßband besitze. Steht drauf: "50 m.") Dem Würstelstandler drückt man also das eine Ende in die Hand ("Hoitns amoi kurz!"), während man selber abmisst, wann man endlich in den dann lauwarmen Hotdog beißen darf. (He, ich hab wieder eine Maus, mit der ich alles bestellen kann, was ich will, weil im Internet jedes Sortiment typisch ist!)