Man soll sich auf Facebook nicht zu spontanen emotionalen Regungen hinreißen lassen.
So wie ich unlängst. "Neuen Plattenspieler gekauft", schrieb ich gut gelaunt zu einem Foto eines tatsächlich sehr schönen, frisch ausgepackten Vinyl-Drehers. "Ich hab‘ eh erst sieben oder acht."

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Die Schelte für meine (allerdings nicht gelogene) Angeberei folgte auf der Stelle. Die Frage, wofür man eine derartige Quantität an Geräten brauche, dito. Ein berechtigter Einwand. Ich antwortete mit milde provokanten Stichworten wie "Lustprinzip" und "Wirtschaftsförderung". Aber natürlich kann man diese Form von Hifi-Fetischismus hinterfragen.

Nun habe ich wieder einen neuen Plattenspieler zugestellt bekommen. Und gleich ausprobiert. Es handelt sich um das Erstlingsprodukt eines heimischen Start-Ups ("Tone Factory"), hinter dem aber das Knowhow und die Logistik des Weltmarktführers steht. Und das ist in
der engen Nische, wo sich die Hobby-Discjockeys tummeln,
das im niederösterreichischen Wilfersdorf angesiedelte Paradeunternehmen Pro-Ject.

Ich habe dessen Gründer Heinz Lichtenegger an dieser Stelle schon öfter für seine Visionskraft gelobt, in Zeiten der Digitalisierung auf alte, aber längst nicht mehr ausschließlich analoge HiFi-Tugenden zu setzen.

Im Fall der Ton-Fabrik hat er aber ein ganz junges Team rangelassen, das sich auch leger der Mittel und Wege der Neuzeit bedient. Crowdfunding etwa. Die Entwicklung des ersten Tone Factory-Turntables wurde von risikofreudigen Fans und zukünftigen Nutzern finanziert. Für die kam Weihnachten heuer früher.

Was kann
nun dieser Plattenspieler, was alle anderen nicht können? Kurze Antwort: rein technisch betrachtet
gar nichts. Außer besser aussehen, weniger kosten, keine Tabus scheuen.

Das Design des Tone Factory-Geräts ist in seiner Schlichtheit kaum mehr zu toppen, erinnert aber irgendwie auch an die Eleganz alter Bang & Olufsen-Modelle. Dass hier jeglicher Schnickschnack weggelassen wurde, ermöglicht einen wirklichen Low End-Preis. Dennoch hat der Dreher ein Gimmick, das ihn für die Design-Lofts und Jugendzimmer dieses Planeten prädestiniert: Bluetooth. Sie stellen das Ding irgendwo auf - und lassen es drahtlos zum Verstärker oder zu Aktiv-Lautsprechern funken. Gralshüter alter High End-Tugenden verachten derlei, aber für die ist das alles definitiv nicht gemacht.

Wobei: Mein neuer, achter oder neunter Plattenspieler - ein Cambridge Alva TT - beherrscht das auch. Es erschien mir unfair, die Player miteinander zu vergleichen: Der Tone Factory-Neuling kostet weniger als ein Fünftel des Oberklasse-Geräts. Ich habe es dann doch getan. Und sage seither apodiktisch: Wenn Sie nach einem wirklich gut gemachten, günstigen, probat klingenden Design-Plattenspieler "made in Austria" suchen, schlagen Sie zu. Bedenkenlos. Ich überlege auch schon wieder.