Na also. Der Nikolaus hat es jetzt sogar schriftlich, dass er raus darf. Seit er nämlich in der Covid-19-Notmaßnahmenverordnung namentlich erwähnt wird. (Echt? Und wie heißt er?) Problem gelöst. Okay, und was ist mit seinem Kumpel, dem Krampus, mit dem er jedes Jahr diese Good-Cop-Bad-Cop-Nummer abzieht? Der ist sicher mitgemeint. Wie die Nicole. (Wenn es einen weiblichen James Bond gibt, wird’s wohl auch Nikoläus-innen geben, oder?)

Welches Problem eigentlich? Der hätte sich sowieso nicht beim AMS umschulen lassen müssen, der Nikolaus. Zum Weihnachtsmann. (Oder Osterhasen.) Schließlich arbeitet er quasi für einen Lieferdienst. Das fällt unter Punkt 4 der Ausnahmen von der Ausgangssperre: berufliche Zwecke. Oder er hätte sich einfach auf Punkt 5 berufen: "Aufenthalt im Freien zur körperlichen und psychischen Erholung." (Ja genau. Als ob ihn der Polizist nicht sofort angezeigt hätte, weil er doch offensichtlich in Wahrheit auf dem Weg zu einem Faschingsgschnas ist. Und als Gandalf geht. Oder als Dumbledore.) Und überhaupt: Was ist denn aus dem guten alten Brauch geworden, am 5. Dezember seine Stiefel vor die Tür zu stellen? Im Prinzip sind das primitive PEBs: Post-Empfangsboxen. Der Nikolaus könnte es ergo machen wie die Post. Samt praktischer Online-Sendungsverfolgung: "Gaben in Zustellung", "Empfänger nicht angetroffen - benachrichtigt", "Gaben im Stiefel eingelangt". Dann schauen die Kinder erwartungsvoll nach und - ihre Stiefel sind leer.

Na ja, wenn die Regierung dauernd predigt, die Leute sollen auf Homeoffice umstellen, darf man sich eben nicht wundern, wenn die das am Ende wirklich tun. Paragraf 6 der Verordnung: "Beim Betreten von Arbeitsorten ist darauf zu achten, dass die berufliche Tätigkeit vorzugsweise außerhalb der Arbeitsstätte erfolgen soll

. . ." (Äh, während man den Arbeitsplatz betritt, soll man aufpassen, dass man ihn NICHT betritt?) Hab ich von den Paketzustellern ebenfalls gedacht. Dass die nur noch daheimsitzen und das Computerspiel "Sendungsverlauf" spielen. Floskeln anklicken wie: "Sendung in Post-Empfangsbox eingelangt." Aber am Mittwoch ist plötzlich ein Paket, das am 27. Oktober in der PEB "eingelangt" war, tatsächlich dort eingelangt. Ohne Vorwarnung. Nachdem die Fährtenleser der Post dem Packl drei Wochen lang hinterhergeschnüffelt hatten. (Nach Einleitung einer Paketnachforschung durch den Versandhändler.) Ausgesehen hat es, als hätte der Nikolo versucht, das Trumm in einen Stiefel zu stopfen. He, ich sollte schleunigst meine Weihnachtsgeschenke abschicken. Falls ich sie nicht persönlich abliefern kann, weil ich beim Massentest kurz vor der Bescherung durchgefallen und in Quarantäne bin. Spätestens am 2. Dezember müsste ich allerdings die Paketnachforschung einleiten, damit alles rechtzeitig in der PEB der zu Beschenkenden eintrifft. Hm. Und wo, bitte, krieg ich im Lockdown Geschenke her? Offen haben ja bloß Supermärkte, Drogerien, Apotheken, Trafiken - und Waffenläden. Ich könnte beim Bipa für jeden Socken kaufen. Ach, Weihnachten wird wahrscheinlich eh verschoben. Per Verordnung. Auf Ostern. Um das Weihnachtsgeschäft zu retten.