Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Andererseits hängt dann doch ziemlich viel an ihnen. Heiratswillige Paare wissen ein Lied davon zu singen. Denn kaum etwas ist schwieriger zu entscheiden als die Frage, wer welchen Namen übernimmt. Sie den seinen, das war lange der klassische Weg, dem heute aber doch der Ruch eines etwas überholten Geschlechterbildes anhängt. Nimmt umgekehrt der Mann den Namen der Frau an, so erweist er sich in den Augen so manches Geschlechtsgenossen vermutlich noch immer als Weichei. Wie soll das dann erst in der Ehe werden?

Wirkliche Gleichberechtigung verspricht der Doppelname, aber schön ist natürlich anders. Wer statt Maier fortan Maier-Müller heißt, hat’s zwar schön kurz, macht aber in puncto Singularitätsgewinn kaum Fortschritte. Schwierig wird es vor allem dann, wenn aus der Namensvermählung ein Endlosname wird. Die deutsche Justizministerin hieß einmal Sabine Leutheusser-Schnarrenberger - das sind 26 Buchstaben plus Bindestrich, da reicht auf vielen Formularen der Platz nicht mehr aus. In der Politik hat sich für solche Fälle inzwischen eine saloppe Abkürzungsstrategie eingebürgert. SLS war damals noch nicht ganz so geläufig, aber AKK für die Noch-CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer geht inzwischen jedem Bundesbürger anstandslos über die Lippen (auch wenn es sich für mich irgendwie nach AK-47 anhört).

Apropos Kalaschnikow: Eine deutsche Biathletin lief einst sogar mit einem Dreifachnamen durch die Loipe. Simone Greiner-Petter-Memm hieß sie, und in meinen Ohren klang das immer wie eine saubere Schießeinlage mit fünf Treffern. Ihre Staffelkolleginnen kamen übrigens zusammen auf genauso viele Nachnamensilben wie sie, nämlich fünf. Petra Behle, Antje Harvey und Uschi Disl hießen sie, aber wie der Zufall es wollte, war es ausgerechnet SGPM, die 1994 beim olympischen Staffelrennen in Lillehammer von zehn (!) Scheiben nur vier traf, was die sicher geglaubte Goldmedaille kostete.

Jedenfalls fiel mir all das jüngst wieder ein, als ich den Damen beim Biathlon-Saisonauftakt zusah und lange warten musste, bis endlich die erste mit Doppelnamen im Ziel eintraf: Die Polin Monika Hojnisz-Staręga wurde 55., was trotz der getragen klingenden fünf Silben nicht auf ein ebenso schönes Trefferbild schließen ließ. Sie war im Übrigen die Einzige. Anders als in der Politik scheint die Doppellösung just im Biathlon ihre beste Zeit hinter sich zu haben (Sachenbacher-Stehle, Jurlowa-Percht, ach ja, Studebaker-Hall gab’s auch mal, Björndalen-Domratschewa leider nie). Schall und Rauch von gestern sozusagen.