Entwarnung (puh). Es kommt eh kein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, wie manche bereits befürchtet haben. Unter anderem ich. Durch dieses C-Virus bin ich nämlich zur Alkoholikerin geworden. Zu einer schweren Alkoholikerin. (Weil zugenommen hab ich auch noch.) Ich benutze das Zeug aber natürlich ausnahmslos zur Desinfektion. Ach, das behaupten sie alle? Na ja, vermutlich weil’s wahr ist. Was sollte man sonst damit tun? Es trinken? Dann müsste ich doch sofort einen Arzt aufsuchen. Das ist für die Hände, hallo?

Total süchtig bin ich mittlerweile danach. Kaum hab ich irgendwas berührt, greif ich zum Flascherl. Und wegen dieser undisziplinierten Punschtrinker hätte ich nun beinah einen kalten Entzug machen müssen. Falls gleich überhaupt kein Alk mehr im Freien erlaubt gewesen wäre. Weil was ist wohl in so einem Desinfektionsmittel drin? Richtig. Dass das mit den Christkindlmärkten heuer nix mehr wird, das war allerdings vorhersehbar. Schon allein aufgrund des Konsumationsverbots. Weil man sich immer 50 Meter von der Essens- und Getränke-Ausgabestelle entfernen muss. Und wenn man bei jedem Becherl Glühwein oder jedem Langos den Markt verlassen muss (so groß ist der schließlich nicht, und gemeint sind sicher 50 Meter Luftlinie, es reicht also wahrscheinlich nicht, wenn man einfach ein bissl zwischen den Hütten herumirrt), geht sowieso keiner hin. Zu den Punschstandln in der Stadt sind dafür zu viele hinmarschiert. Offenbar lauter verdurstende Alkis. Freilich solche, die den Stoff trinken. Schlangen waren das, wie man sie nur aus der DDR kennt. Oder wie vor einem Apple-Store, wenn die wieder einmal das Telefon neu erfunden haben. Oder wie vorm Frauenklo. (Wird das jetzt per Verordnung ebenfalls zugesperrt? Das lange Warten, womöglich ohne Babyelefant, weil’s die Blase eilig hat, ist aus epidemiologischer Sicht ja wirklich eine Katastrophe.) Doch anstatt schnellstens mehr Punschstandln aufzustellen, weil es anscheinend nicht genug davon gibt, räumt man sogar noch diese wenigen weg. Dabei wollen sich die Leute diesen traurigen Advent bloß schöntrinken. Mit flüssigem Photoshop. Und vielleicht ist der Advent ohne Punsch gar nicht gültig. Und ohne Advent kein Weihnachten.

Was hat sie denn eigentlich genau gesagt, in der Pressekonferenz, die Ministerin? (Es existiert ein Punsch-Ministerium?) "Bla, bla, bla, die Abgabe von offenen alkoholischen Getränken, bla, bla, bla, nicht mehr möglich . . ." Offene alkoholische Getränke. Offene. Tja, wenigstens die haben offen, im Gegensatz zur Gastronomie. (Nach dem Lockdown ist im Lockdown.) Und wenn man sie kurzerhand zumacht? Mit einem Deckel? Oder, he, schenkt man halt Kinderpunsch aus und verkauft dazu ein Flascherl Magenbitter (geschlossen). Zum Reinkippen. Und 50 Meter weiter wird der Kinderpunsch erwachsen. Genial. Erinnert mich an den Mozartpunsch, den ich voriges Jahr probiert habe. Frage an den Standler: "Und was ist daran, bitte, Mozart?" Als Antwort hat er mir ein Mozartkugerl mit Schraubverschluss hingerollt (einen Likör-Flakon): "Das." Nachsatz: "Des kostet oba extra." Weihnachten kann jedenfalls stattfinden.