Österreich ist mal wieder in den internationalen Schlagzeilen zu entdecken. Aber diesmal geht es einmal nicht um Rechtsradikale, Kindesmissbrauch oder Skifahren. Sondern um Fucking. Für die einen ist das eine schöne, intime Freizeitbeschäftigung zu zweit in englischer Sprache, für Heimatbeflissene ist es ein Dorf in Oberösterreich. Also war es. Denn Fucking hat sich umbenannt. In Fugging. Man war es leid, so hört man, ständig nackte Touristen vor dem Ortsschild ansehen zu müssen. Sofern das Ortsschild noch da war. Dieses wurde nämlich auch oft geklaut. Deshalb hat man sich jetzt neu getauft. Um dem ganzen Fucking-Ortsschild-Treiben Einhalt zu gebieten.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Eine etwas unsouveräne Reaktion. Man hätte sich an Dildo ein Beispiel nehmen können. Dildo ist ein kleines Dorf in Neufundland, Kanada, das seinen Namen in großen Lettern in Hollywood-Manier in die Landschaft gestellt hat. Obendrein verkauft es an die eifrig herbeiströmenden Touristen viele Merchandising-Produkte. Ich weiß nicht welche, aber ich ahne was.

Man sieht, man kann mit so einem Fucking-Namen auch anders umgehen.

Obendrein, was sollen denn die anderen Orte mit - sagen wir mal - einprägsamen Namen machen? Gut, dass "Kissing" bei Augsburg nur knutschende Paare anzieht, ist klar, aber schon bei "Petting" im bayerischen Chiemgau sieht das anders aus. Was sollen denn die Einwohner von "Möse" in Nordrhein-Westfalen, "Scheide" in den Niederlanden oder "Schlitz" in Hessen machen? Sich verkriechen? Gar nicht zu reden von "Pussy" in Frankreich (gibt’s gleich zweimal), dem Ort "Anus" im selben Land oder dem kleinen Dorf "Le Tampon" auf Reunion, der Insel der Wiedervereinigung. Angeblich haben die gerade die Mehrwertsteuer halbiert, aber der Name bleibt. Ähnlich standhaft ist auch "Cock Island" im Castleabar Lough in Irland, "Wixhausen" bei Darmstadt oder die Ortschaft "Porno" in Nigeria. Man muss doch Widerstand leisten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es "Archivi della Resistenza" in der Toskana gibt, und zwar in einer kleinen Siedlung namens "La Vagina".

Letztendlich ist doch das Fucking-Problem, dass sehr viele Menschen Englisch können. Wäre Wienerisch eine Weltsprache, würden alle die Ortsschilder von "Beidl" in der Oberpfalz, Bayern, fladern. Zumindest würde sich keiner mehr an den Strand von Isola auf Korsika legen, weil der "Trottel" heißt.

Wer weiß, welche Fucking-Bedeutungsfallen noch in anderen Sprachen lauern? Könnte ja sein, dass "Wien", wenn man es in einem ganz speziellen südostchinesischen Dialekt ausspricht, so etwa bedeutet "alter, fluchender Mann mit Hund". Oder, dass "Berlin" im Straßen-Slang Nairobis so viel heißt wie "sich gegenseitig in den Mund urinieren". Oder vielleicht heißt "New York" auch auf Tschuktschisch (Sprache aus dem Nordosten Sibiriens) "stark riechender Kadaver eines Schlittenhundes", "Paris" auf Dyirbal (Australien, etwa sechs Sprecher, alle über 65) "kackende Wüstenrennmaus" oder "Tokio" auf Baniwa (Venezuela) so viel wie "Du mich auch".

Also Fucking: nicht aufgeben! Der Worte sind genug gewechselt. Lasst Taten sprechen!

(Taten, die. Ethnie in Dagestan und Aserbaidschan. Was sonst?)