Der Girlitz ist unser Freund. Doch zuletzt nahm sein Bestand dramatisch ab. - © Kathy Büscher (CC BY 2.0)
Der Girlitz ist unser Freund. Doch zuletzt nahm sein Bestand dramatisch ab. - © Kathy Büscher (CC BY 2.0)

Fun Fact: Der Autor von "Driving Home For Christmas" ist auch der Autor von "The Road To Hell". Ob Chris Rea beim Songwriting ein- und dieselbe Autofahrt vor Augen hatte, ist zweifelhaft. Als sicher gilt, dass eine diesbezügliche Verbindung im echten Leben besteht, die heute Ansteckungsgefahren beinhaltet, wo es früher einmal um verstopfte Autobahnen ging - sowie um anderweitige Aspekte der familiären Zusammenkunft. Stichwort geschenkte Socken, verbranntes Essen und erhebliche Depressionen beim Zwangserleben der Weihnachtsshow von Helene Fischer. Schnell, den Selbstgebrannten!

Man könnte sich, weil heuer ohnehin vieles anders sein wird - die "Helene Fischer Show" etwa findet im Jahr 2020 nicht statt, stattdessen kann man sich zur CD "Die Helene Fischer Show - Meine schönsten Momente" betrinken -, aber auch über den Vogel des Jahres unterhalten.

Als dieser galt in den vergangenen zwölf Monaten die Turteltaube, wobei noch geklärt werden muss, ob daraus im Rückblick eine positive Signalwirkung abgelesen werden darf. Es ist, konkreter gesagt, von einem harten Zweikampf der Trennungs- mit der Geburtenstatistik auszugehen. Die Lockdowns, die Enge, die viele Zeit! Von Werner Schwab ist das Zitat "Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht fliegen" überliefert. Gerade Senioren mit gewohnheitsmäßigen Überwinterungsurlauben im sonnigen Süden und andere menschliche Zugvögel, die aus Pandemiegründen derzeit gestutzte Flügel beklagen, werden an dieser Stelle wehmütig seufzen. Wirtschaftlich und zwischenmenschlich betrachtet waren Höhenflüge aber auch für Vögel-Portale wie Tinder heuer nicht möglich. Am Boden der Realität gelandet sind deshalb selbst Ärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Alles hängt bekanntlich mit allem zusammen.

Andreas Rauschal ist Redakteur der "Wiener Zeitung".
Andreas Rauschal ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Vogel des Jahres 2021 ist hierzulande jedenfalls der Girlitz. Der hübsche Piepmatz im gelb-schwarzen Federkleid hat einerseits leicht mit seinem Stumpfschnabel lachen, er verbringt den Winter ja nach wie vor in warmen Gefilden. Süßer Vogel Vogelsein! Andererseits darf man darüber nachdenken, welche Botschaft die Wahl dieses Singvogels mit nur 11 bis 13 Gramm Körpergewicht nun für die Menschheit bereithält. Immerhin ist der für seinen hektisch-hohen Gesang auch "Glasschneider" und "Hirngrill" genannte kleinste heimische Fink zunehmend gefährdet. Sein Bestand nahm zwischen 1998 und 2016 um dramatische 80 Prozent ab.

Gegensteuern könnten wir in diesen finsteren Zeiten zumindest zu Teilen selbst. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich empfiehlt das Anlegen von Wildblumenbeeten und Ritzenvegetation anstelle versiegelter Flächen, kurz: Geben wir das Zubetonieren auf! Der Girlitz ist unser Freund. Sein "Flying Home For Easter" soll keinen "Skyway To Hell" bedeuten.