Tja, da werden wohl einige schwer enttäuscht sein, weil sie sich umsonst so aufgeregt haben über die Maskenpflicht unterm Christbaum und jetzt plötzlich "ganz normal" Weihnachten feiern müssen. Ich jedenfalls bin’s. Also enttäuscht. Und dabei werde ich sowieso keinen Christbaum haben. Weil ich mich an diesem alljährlichen Baumsterben sicher nicht beteiligen werde. Ich mag auch keine Blumensträuße. Und keinen Brokkoli. Ich bin Fleischfresserin, hallo? Es gibt nämlich Menschen, denen das Pflanzenleid sehr nahegeht.

Wie das denn funktionieren soll: Weihnachten mit verhülltem Mund, haben sie sich gefragt, die Leute. Ein Loch in die Maske reinmachen? (Für den Joint. Und sich wegkiffen.) Nicht einmal Kekse könnten sie essen. Könnten sie SCHON, allerdings müssten sie mit jedem Kekserl vor die Tür latschen. Oder reicht es, wenn man sich bloß weit genug aus dem Fenster beugt? Gilt das dann irgendwann als draußen? (Ja, spätestens wenn man rausgefallen ist.) Die haben eben noch nicht wissen können, dass die dritte Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung eh wieder den Passus enthalten wird, dass man sich enthüllen darf "während der Konsumation von Speisen und Getränken". Säuft und mampft man halt die ganze Zeit. Problem gelöst. Oder man zieht einfach die Vorhänge zu. Kann einen niemand vernadern. (Genial.) Außerdem hab ich die "Weihnachtsverordnung" inzwischen gelesen. Und (Überraschung): keine Maskenpflicht.

Wie in dem Kinderlied mit den zehn kleinen . . .

Was? Sogar Garagenpartys sind am 24. und 25. erlaubt? Und das ohne Babyelefanten und Mund-Nasen-Schutz? Und ohne Sperrstunde? Ach, und wenn sich die Partygäste ins Auto quetschen, weil der Gastgeber sich nicht getraut hat, es aus der Garage zu fahren (aus Gewohnheit, damit die misstrauischen Nachbarn nicht wieder die Polizei rufen)? Müssen sie vermutlich doch einen anlegen. Einen Gurt? Einen MNS! Paragraf 4 Absatz 1: "Die gemeinsame Benützung von Kraftfahrzeugen durch Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ist nur zulässig, wenn in jeder Sitzreihe einschließlich dem Lenker nur zwei Personen befördert werden. (Gut, das könnte schwierig werden, wenn es sich nicht zufällig um einen Minibus handelt. Und nun kommt’s:) Zusätzlich ist eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende und eng anliegende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen."

Andererseits betrifft das Fahrgemeinschaften, nicht PARK-Gemeinschaften. (Und lieber nicht den Motor laufen lassen, um zu heizen. Oder wenigstens nicht einatmen. Achtung: Ein Mund-Nasenschutz ist keine Gasmaske! Der schützt einen nicht vor SÄMTLICHEN über die Luft übertragbaren Todesarten!) Okay, es dürfen nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig Party machen. Und die andern stehen derweil deppert in der Ecke? Nein, so viele dürfen insgesamt ANWESEND sein. Zehn? Wie in diesem Kinderlied, wo am Ende alle hin sind? ("Zehn kleine N-Wörterlein.") Zehn also, "wobei diese aus höchstens zehn verschiedenen Haushalten stammen dürfen". Das heißt, ab elf Haushalten machen sie sich strafbar. Logisch. Zehn Personen, aufgeteilt auf elf Haushalte, das macht 0,9 pro Haushalt. 0,9 aufgerundet ergibt eins, folglich befinden sich in Wahrheit ELF Personen auf der Feier. Und das sind echt zu viele.

Lustige Aerosole sind auch nicht witziger

He, oder man geduldet sich bis zum 26. Dezember. Da kann man wieder so viele Freunde und Familienmitglieder zu sich einladen (und Omas umbringen), wie man will. Man muss sie lediglich vor der dann wieder gültigen nächtlichen Ausgangssperre heimschicken. Und was ist mit der Nur-sechs-Erwachsene-und-sechs-Minderjährige-aus-zwei-Haushalten-Regel? Die gilt für den ÖFFENTLICHEN Raum. (Oh, und der private ist ein rechtsfreier? Anscheinend.)

Hm. Eine Maske wäre eigentlich gar nicht so blöd. Weniger Weihnachtsspeck! (Kann ich mir zusätzlich zum Coronaspeck ohnehin nimmer leisten.) Und was raten die Experten sonst noch so? Bei einer innigen Begrüßung Luft anhalten (Apnoe-Umarmungen). Von der stillen Nacht ausnahmsweise nicht singen (maximal zum Playback stumm die Lippen bewegen), sondern erstmals wirklich eine erleben: keine Weihnachtslieder (Lieder, pfui: melodische Aerosolverbreitung), nicht lachen (lustige Aerosole sind auch nicht witziger), nicht reden.

Ein bissl weltfremd? Natürlich. Aber wenn’s Leben rettet. Und keinesfalls die Christbaumkerzen ausblasen! Das ist eine Weihnachtsfeier, bitte, keine Geburtstagsparty. (Moment, HAT am 24. Dezember nicht angeblich irgendwer Geburtstag?)