Diese Weihnachten werden wir uns das Essen vom Chinesen holen. Weil’s eh schon wurscht ist. Vom ausgesucht guten Chinesen natürlich. Aber trotzdem. Chinesisch am Heiligen Abend war früher wie Lametta am Bananenbaum. Ging bestenfalls in der Studentenbude durch. Dann schon wieder nicht mehr.
Früher, also letzte Weihnachten noch, wurde bei uns am Heiligen Abend grundsätzlich selbst gekocht. Und zwar auf so hohem Niveau wie nur irgend möglich. Dazu suchten wir uns Rezepte aus, die sehr einfach waren, und diese bereiteten wir auf den Punkt genau zu.
Die Rezepte zum Festmenü mussten so klar und einfach wie nur möglich sein, weil wir uns traditionell davor mit Freunden in der legendären Loos Bar in der Wiener Innenstadt zum Champagner- und zum Wodka-Martini-Trinken trafen. Der Champagner konnte meinen Blick nicht trüben. Da nippte ich nur kurz am Gläschen. Aber der Wodka Martini war gefährlich. Zwei sind zu wenig und drei sind zu viel, sagen die Profis. Über vier sagen die Profis schon lange nichts mehr. Aus gutem Grund. Oft hatten wir sehr viel Spaß beim Kochen am Heiligen Abend. Beim Essen hinterher auch. Trotzdem wurde, besonders vom Publikum, das Verlangen nach einfachen Rezepten immer dringlicher erwähnt.
Es werden die Spiegeleier sehr oft falsch zubereitet. Diese Standardweisheit des großen Helmut Misak wurde bei mir zum Karma, wenn es in der Küche um den Weihnachtsbraten ging. Wir waren auf der Suche nach dem Klaren und dem Reinen. Kochen an der Kante. Ich könnte ein Buch schreiben. Nur allzu kompliziert durfte es nicht werden.
Dann kam der Lockdown und alle Lokale sperrten zu und bei den Krobaths daheim wurde Kochen das neue Klopapier. Die Stadt spaltete sich in zwei Hälften. Die einen joggten am Abend. Die anderen nahmen zu. Wir waren die anderen. Und zwar mit großer Freude. Man kann schließlich so oder so auf den Körper schauen. Zu Weihnachten noch einmal Chinesisch ohne Wenn und Aber und dann ist Schluss mit lustig. Silvester bin ich längst im Bett.