Was wird das neue Jahr bringen? Eins sicher: den Brexit. Natürlich ist der juristisch längst vollzogen, praktisch wird er jedoch erst ab
1. Jänner 2021 umgesetzt werden. Und jetzt kommt die 100.000-Verhandlungstage-Frage: Wie? Während die EU seltsamerweise ja auf dem Grundsatz besteht, dass jemand, der am Binnenmarkt teilhaben möchte, auch dessen Regeln zu befolgen hat (crazy Bruxelles-guys!), hat die britische Regierung unter Boris Johnson eine ganz andere Idee: Wir machen es einfach irgendwie. Mal so oder so. Vielleicht auch anders. Oder mehr so Dings. Johnsons Vorschläge sind so etwas wie Schrödingers Katze der Handelsverträge: Großbritannien soll bei Johnson zum selben Zeitpunkt innerhalb und außerhalb der EU sein. Für Johnson kein Problem, der schüttelt so was aus dem Ärmelkanal.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Wie das für die Grafschaft Kent, "den Garten Englands", aussieht, wird man sehen. Die liegt im Südosten des Inselstaats und dort werden sich wohl in Bälde Container stapeln. Aber ist ja nicht der erste Garten, der in einen Parkplatz umfunktioniert wird. Der Rest des Landes hat andere Sorgen, denn man wird wohl die nächsten Monate ohne frisches Gemüse aus der EU auskommen müssen. Eigentlich schade, dass gerade Lockdown in London ist. Bilder von den Boys aus der Londoner City, die sich in überteuerten fancy Restaurants ausschließlich von gekochten Kartoffeln ernähren, wären doch informativ gewesen.

Aber Johnson, das alte Brexittier, hat noch andere Pläne. Weil sein "kanadisches Modell" wohl nichts wird (hätte jahrelange Verhandlungen mit der EU vorausgesetzt und damit so etwas wie Weitblick, und ist nicht seine Kernkompetenz), schielt er auf das "australische Modell" im Verhältnis zur EU. Gute Idee, da Australien überhaupt kein Handelsabkommen mit der EU hat. Vielleicht sieht das Johnson aber weit über Wirtschaftsfragen hinausgehend als anstrebenswert an und möchte nach dem Vorbild von Down Under die Hautkrebsrate in die Höhe jagen und Waldbrände veranstalten. Dann gibt es wenigstens geschmorten Koala zu den Kartoffeln.

Aber auch andere ehemalige britische Kolonien stünden als Blaupausen zur Verfügung. Wie wäre es mit dem "Modell Kenia"? Grassierende Korruption, Kinderprostitution und Schwulenfeindlichkeit, dafür blühende Rosenzucht und das Verbot, Elefanten zu jagen (vor allem schottische).

Oder das jamaikanische Modell? Viel Armut und Kriminalität, aber keinen stört’s, weil alle bekifft sind (auch die Schotten). Das indische Modell? Galoppierender Nationalismus, massive Diskriminierung der Moslems, Straßenschlachten, Grenzkonflikte mit dem verhassten Nachbarn (Irland), dafür werden viele lustige Filme produziert, in denen Menschen vor pittoresken Landschaften (z.B.: Schottland) singen und tanzen. Oder doch das Singapur-Modell? Ein Ein-Parteien Staat, der ausschließlich von der Laune der Finanzmärkte abhängig ist und in dem eine staatliche Lizenz verlangt wird, wenn mehr als drei Menschen öffentlich über Politik, Religion oder innere Angelegenheiten des Staates reden wollen (etwa in Schottland).

However, der Soundtrack zu der Brit-Com steht schon fest: The Clash’ "I’m all lost in the supermarket, I can no longer shop happily..."