Blicken wir zurück: In meinen Beiträgen der letzten fünfzig Wochen hat die Corona-Epidemie dominiert. Wörter wie Containment, Contact Tracing und Social Distancing sind über uns hereingebrochen, es gibt adäquate deutsche Ausdrücke, aber sie werden kaum verwendet. Ich habe geschrieben, warum es "das Virus" heißt - nicht alles, was im Lateinischen auf -us endet, ist ein Maskulinum. Gut, dass sich der ORF frühzeitig auf das Neutrum festgelegt hat. Dass im Wort "infizieren" kein "s" steckt - darüber musste ich keine Glosse schreiben. Nur die Aussprache von Quarantäne ist noch immer strittig. Unlängst schrieb mir ein Leser: "Propagieren Sie doch die Aussprache mit Kw-! Man spricht ja auch Quargel als Kwargel aus, nicht Kargel, Querkopf als Kwerkopf und nicht Kerkopf!" Nach der klassischen Buchstaben-Laut-Zuordnung wäre es so, aber in Quarantäne steckt das französische Wort für vierzig, ausgesprochen mit K-. Nicht nur Bildungsbürger sprechen französisch-basierte Wörter so aus: den Billardstock Queue als Kö, den Lothringer Speckkuchen Quiche als Kisch.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Der Babyelefant ist angloamerikanisch beeinflusst, im Deutschen wäre Elefantenbaby zu erwarten, einen Welpen nennen wir nicht Babyhund, sondern Hundebaby. Zurzeit läuft im Fernsehen ein weiterer "Aufruf der Bundesregierung": Ein Kind im Elefantenkostüm wird in einer Warteschlange von Erwachsenen beinahe erdrückt. Eine Bitte an das "virologische Quartett" - auch das gehört zu den Wörtern des Jahres: Hört auf, uns mit solch kindischen Methoden zu erklären, wie lang ein Meter ist!

Übrigens: "Was zu viel ist, ist zu viel" gilt auch für die unsägliche "Hofer"-Werbung. Ich mag nicht dauernd ein "Gsangl" hören, das so klingt, wie wenn der geniale Musiker und Poet Georg Danzer aus dem Grab die Werbetrommel für einen Diskonter rührte.

Das zweitwichtigste Thema war das Gendern. Zum Jahreswechsel ist ein Sternchen am Himmel aufgegangen und rasch verglüht, weil der Genderstern nicht praktikabel ist. Dabei hat der "Duden" den Ausdruck in seine Erläuterungen zur Rechtschreibung aufgenommen - was eine Kontroverse auslöste und dem Verlag Gratiswerbung brachte.

In Vormarsch waren die Doppelformen: Virologinnen und Virologen, Patientinnen und Patienten etc. Angeblich sind sie notwendig, damit sich die Frauen "mitgemeint" fühlen. In den Printmedien funktioniert das nicht. In der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" konnte man vor kurzem lesen: "Es ist der perfekte Zeitpunkt für jenen harten Lockdown, den Medizinerinnen und Juristen, Philosophen und Mathematikerinnen (...) gerade eindrucksvoll begründen." Juristinnen und Philosophinnen nicht? Aber nein, es sollte nur Problembewusstsein signalisiert werden. Zweimal sind die Männer "mitgemeint", zweimal die Frauen. "Fifty-fifty" nannte es ein Kommentator in der "FAZ". Das Beispiel beweise aber auch, dass solche Formen umständlich und in der Sprache nicht vorgesehen sind.

Manches, worüber ich schrieb, ist heute Schnee von gestern. So wird das Wort "Pop-up", das aus dem Wirtschaftsleben stammt, in der Wiener Politik keine Rolle mehr spielen. Es wird mir nicht abgehen.