"Süßer die Glocken nie klingen", geht ein altbekanntes Lied, "als zu der Weihnachtszeit. Es ist, als ob Engelein singen, wieder von Frieden und Freud’." Leute mit sensiblen Ohren hören dergleichen gern mit Kopfhörern. Man ist dann zwar mit sich (und der Musik) allein, aber selten lauscht man konzentrierter. Gute Kopfhörer können ein wirklicher Quell der Freude sein. Insofern eignen sie sich auch hervorragend als Geschenk.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Das dürfte sich auch der Nicht-mehr-nur-Computer-sondern-demnächst-auch-Automobile-Hersteller Apple gedacht haben - und präsentierte termingerecht eine neue Variante seiner berühmten Airpods. Das sind kleine In-Ear-Kopfhörer, die zum Vorbild unzähliger Nachahmer wurden und mittlerweile in der zweiten Generation erhältlich sind; ich habe ihre Qualitäten auch hierorts schon hervorgehoben.

Nun wurde nach der "Pro"-Variante das Modell "Max" vorgestellt, das mit den Miniatur-Ohrstöpseln nur mehr wenig gemein hat. Offensichtlich hat es das Apple-Entwicklerteam darauf angelegt, den etablierten Kopfhörer-Fabrikanten zu zeigen, wo der Bartl in Zukunft den Most herholt. Die Airpods Max sind mit künstlicher Intelligenz bestückte High-End-Headphones mit 3D-Sound, adaptivem Equalizer und, no na, Noise Cancelling. "So klingt eine Offenbarung", textete flugs die hauseigene Werbeabteilung. Und schon klingelt die Kassa. Da Apple-Produkte von einer eingeschworenen Gemeinde umgehend in den Fetisch-Status erhoben werden (und diese deren Hochpreisigkeit auch verinnerlicht hat), wundert sich auch kein Kenner der Materie über den Preiszettel. Apple verlangt 629 Euro für das gute Stück, dafür darf man sich immerhin eine von fünf Farben aussuchen.

Freilich gehe ich davon aus, dass die Airpods maximal gut klingen. Ob ich es je nachprüfen werde? Ich könnte einmal mehr bei Ulli T. vorstellig werden, dem wackeren Apple-PR-Mann in Österreich - aber sein Auftraggeber neigt dazu, Testobjekte nur sehr selektiv auszuteilen. Geschenkt! In meinem Freundeskreis werden sich sowieso bald einige Max-Moritze finden. Nicht, weil ich nur reiche Snobs kenne, sondern weil in der Musikbranche teure Profiwerkzeuge durchaus Sinn machen. Und, ja, es soll Fälle geben, wo Menschen un!be!dingt! das Neueste und vorgeblich Beste besitzen müssen, und das bitte gleich. Sofort. Jetzt.

Da aber - Apple bedient sich immer wieder künstlicher Verknappung, könnte aber in Covid-Zeiten durchaus auch Lieferschwierigkeiten haben - die Airpods Max vor Weihnachten klarerweise ausverkauft sind, sind einige oberschlaue Privatspekulanten umgehend auf die Idee verfallen, ihre frisch erstandenen Deluxe-Kopfhörer mit Aufschlag weiter zu verkaufen. Ich weiß nicht, wie gerade der Kurs steht - aber gestern konnte man auf willhaben.at locker auch eintausend Euro abdrücken. Das nenn’ ich Geschäftssinn! Wie immer bei turbokapitalistischen Einserschmähs könnte der Aktienkurs aber rascher ins Bodenlose fallen, als es den Bauernfängern auf dem Christkindlmarkt lieb ist.