Auch ein politischer Gott: Janus (hier als Büste aus den Vatikanischen Museen).
Auch ein politischer Gott: Janus (hier als Büste aus den Vatikanischen Museen).

Zu Beginn jedes neuen Jahres war im alten Rom der Segen eines der Unsterblichen besonders gefragt: jener des doppelköpfigen Janus, des Gottes allen Anfangs und Neubeginns, nach dem der Monat "Ianuarius" benannt wurde. Janus stand aber nicht nur für den Jahresbeginn, die Römer verbanden ihn überhaupt mit den Anfängen ihrer Geschichte - schließlich soll er, glaubt man der Legende, vor Urzeiten als erster mythischer König der Stadt auf dem Ianiculum, einem der sieben Hügel Roms, residiert haben.

Auf diesen urrömischen Gott war man in der Tiberstadt auch deshalb stolz, weil es einen wie ihn selbst in Griechenland mit seinen zahllosen Göttern und Heldengestalten nicht gab. Zwar hatte das Volk der Etrusker schon einen doppelköpfigen Gott namens Culsan, doch das spielte für die Römer keine so große Rolle; schließlich waren sie es seit jeher gewohnt, sich in Sachen Religion ungeniert am etruskischen Vermächtnis zu bedienen. Vielmehr beschäftigte sie die Frage, wie man den Namen des Janus, in dem ja das lateinische Wort "ianua", die Schwelle, steckte, am besten zur Erklärung seiner Gestalt heranziehen könnte.

Der Dichter Ovid machte es besonders schlau, indem er den Gott in den "Fasten", einem langen Werk über die Feste und Feiertage im alten Rom, selbst zu Wort kommen ließ: "Jede Haustür hat zwei Seiten (...), die eine sieht zum Volk, die andere zum häuslichen Herd. Und wie euer Pförtner nahe der Schwelle des Vorhauses sitzt und das Kommen und Gehen stets überschaut, so überblicke als Pförtner des Himmels ich Osten und Westen ..." Doch Janus stand im alten Rom nicht nur für Anfang und Neubeginn, er symbolisierte auch Durchgang und Übergang und war damit Begleiter über alle Schwellen des Lebens. Vor allem die Pubertät war dabei für so manchen Römer keine leichte Hürde. Daher gab es ein Janus-Heiligtum in Form eines die Straße überspannenden Holzbalkens, bei dem der aristokratische Nachwuchs symbolisch den "Riegel" zur Männlichkeit öffnen konnte. Allen Gläubigen gemeinsam galt Janus als Vermittler zu den anderen Unsterblichen, den man am Beginn jedes Gebets anrief und mit Weihrauch, Wein und Kuchen günstig stimmte.

Neben aller Bedeutung für den Einzelnen war und blieb Janus aber stets ein Gott der Öffentlichkeit, ein politischer Gott. So ließen die Römer seinen prägnanten Doppelkopf immer wieder auf Münzen prägen und machten ihn damit in der ganzen antiken Welt bekannt - den Wächter der Welt, den Herrn über Krieg und Frieden: "Wenn es mir gefällt, den Frieden aus dem ruhigen Haus zu entsenden, wandelt er frei über endlose Wege. Doch von Blut und Tod erfüllt ist der Erdkreis, wenn die Riegel die grausamen Kriege nicht zwingen."