Auf Facebook hat eine Freundin ein Foto gepostet, auf dem unser Gesundheitsminister seine FFP2-Maske verkehrt herum trägt. Mit diesem Bild beginnt für mich das neue Jahr. Der Nasenbügel pickt unterm Kinn und macht dadurch nur wenig Sinn. Nicht einmal im Gesundheitsministerium geht so etwas auf Dauer gut. Das sollte dem Herrn vielleicht wer sagen, bevor die Sache gefährlich wird. Andererseits kann das Foto natürlich auch nur eine plumpe Fälschung sein. Würde keinen wundern, der halbwegs weiß, wie das moderne Leben funktioniert. Alles ist wahr, aber nichts stimmt. Willkommen in der neuen Wirklichkeit. Das ist die größte Erkenntnis, die ich aus 2020 gewonnen habe.

Zu Anfang des Jahres haben die Eingesperrten in Italien jeden Abend gemeinsam auf den Balkonen die schönsten Lieder von Giuseppe Verdi bis Adriano Celentano gesungen, zum Ende hin haben sie eine Website ins Netz gestellt, auf der jeder, der wollte, das Jahr beschimpfen und beleidigen konnte, ganz nach seinem Gusto, ganz nach seinem Graus. Es wollten viele. Irgendwie würde es mich interessieren, ob es so eine Website auch für Österreicher gegeben hat. Und dann irgendwie auch wieder nicht. Wird eh schon genug geschimpft in diesem Land.

Die letzten paar Jahre habe ich die Weihnachtsferien immer im südlichen Spanien verbracht. Diesmal bin ich in Wien geblieben. Statt der Meerenge von Gibraltar hat es den Marchfeldkanal gegeben. Stundenlange Spaziergänge durch die Peripherie. Meistens nur ich und die Musik im Ohr. Wenn der Akku leer war, musste ich zwangsweise den Vögeln zuhören. Oder dem Wind. War nicht schlecht. War ganz und gar nicht schlecht. Leider hatte das Erste Wiener Fischereimuseum geschlossen. Aber da muss man vernünftig sein. Gesundheit geht vor. Genauso wie beim Schifahren.

Ein Freund von mir steigt diesen Winter quasi täglich in die Alte Donau, um dort geraume Zeit im Kreis zu schwimmen. Die Bäder sind geschlossen und man gönnt sich ja sonst nichts. Mir gefällt dieses Bild, auch wenn ich selbst unter Garantie nicht ins kalte Wasser springen würde, nur weil ich sonst nichts darf. Die Ambulanzen sind eh schon überlastet. Ich bleibe lieber bei den weniger aufregenden Krisenbewältigungsmöglichkeiten. Gehen zum Beispiel. Gehen geht auch.